22. März 2010, urs.huwyler

«Wir wollen für Sotschi die nötigen Konsequenzen ziehen»

Ruedi Spitzli, Chef de Mission der Schweizer Delegation an den Paralympics in Vancouver, zieht vor den abschliessenden Langlauf-Sprintrennen seine persönliche Paralympics-Bilanz.

Ruedi Spitzli, sind Sie zufrieden mit der Schweizer Bilanz?

Wir setzten uns im Vorfeld zwei Medaillen als Ziel, es wurden insgesamt drei. Die Erwartungen konnten damit erfüllt werden. Doch damit sind die Paralympics nicht zu Ende. Wir werden nicht nur die schlechteren, sondern auch die guten Resultate analysieren müssen. Die Frage wird sich stellen, weshalb manche Athleten ihre Bestform zum richtigen Zeitpunkt abrufen konnten, andere jedoch nicht.

Die kritische interne Analyse ist demnach gewährleistet?

Wir wollen aus den Paralympics in Vancouver für die Spiele in Sotschi die nötigen und richtigen Konsequenzen ziehen. Auch die Teamleitung wird ein Bestandteil sein. Ein erster Meinungsaustausch hat bereits stattgefunden. Über Details sprechen zu wollen, wäre allerdings am Tag der Abschlussfeier zu früh.

Können die Athleten davon ausgehen, dass Swiss Paralympic auch Probleme beim Paralympischen Komitee (IPC) anspricht?

Dies wird der Fall sein. Einige Vorkommnisse bei den Alpinen werden von uns thematisiert. Auch die Selbstherrlichkeit und Unfehlbarkeit einzelner Verantwortlicher.

Wann beginnt die Vorbereitung auf Sotschi 2014?

Am ersten normalen Arbeitstag nach der Rückkehr in die Schweiz. Ab jenem Zeitpunkt muss neben den Sommerspielen in London 2012 auch Sotschi ein Thema sein. Wir wollen im Sommer die Voraussetzungen schaffen, dass bereits im nächsten Winter gezielt auf die Spiele in Russland hingearbeitet werden kann. Es braucht von allen Seiten ein grosses Engagement, um den Kontakt zur Spitze halten zu können.

Es sieht so aus, als würden auch künftig weiterhin die Alpinen den Schwerpunkt bilden.

Das Potenzial ist bei den Alpinen zweifellos grösser als in den anderen Sportarten. Dann gehe ich davon aus, dass wir weiterhin ein Curlingteam international noch näher an die Spitze heranzubringen versuchen. Was im nordischen Bereich geschieht, dafür wird ebenfalls die Analyse Anhaltspunkte liefern müssen.

 
Wie haben Sie persönlich die Paralympics in Vancouver erlebt?


Die Kanadier haben sich mit Herzblut für die Spiele eingesetzt. Ihre Freundlichkeit war über all die Tage hinweg beeindruckend. Ich habe mich hier wohl gefühlt.


War es anders als 2008 in Peking?


Beide Paralympics waren hervorragend organisiert. Für uns war es hier einfacher, weil wir uns ausserhalb des Villages selber bewegen konnten, selbst mit den Autos fahren durften. Zudem war die Kommunikation hier in Whistler und Vancouver einfacher.

Gab es auch einen Nachteil?

Die Situation mit einem Athletendorf in Whistler und einem in Vancouver wurde von der Teamleitung teilweise unterschätzt. Dazu kamen die vielen Verschiebungen und Programmänderungen bei den Alpinen, die Termine blockierten und uns zu Umstellungen zwangen. Das war in Peking einfacher, zumal die Wettkämpfe im Sommer normalerweise zu den geplanten Zeiten durchgeführt werden können.


Wer wird an der Schlussfeier die Schweizer Fahne tragen?


Christoph Kunz als zweifacher Medaillengewinner.

 

Urs Huwyler ist Medienkoordinator der Schweizer Delegation an den Paralympics in Vancouver 2010

 

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