Aus Schweizer Sicht gab es beim diesjährigen freestyle.ch, dem grössten Freestyle-Event Europas mit den Disziplinen Snowboard, Freeski, FMX (Motorrad) und Skateboard, wenig Grund zum Jubeln. Eine Ausnahme war in Zürich der 18-jährige Elias Ambühl. In der Disziplin Big Air musste sich der Freeskier nur ganz knapp dem Schweden Henrik Harlaut geschlagen gegeben. Im Interview nimmt der Bündner Stellung zu den Olympia-Plänen der relativ jungen Freeski-Bewegung.

Bild: Marc Weiler
Elias Ambühl, es laufen Bestrebungen, Freeski-Halfpipe ins olympische Programm für «Sotschi 2014» aufzunehmen. Was würde dies für Sie bedeuten?
Für die Freeski-Szene wäre dies sicherlich ein grosser Schritt. Schliesslich stehen wir seit Jahren im Schatten der Alpinen und der Snowboarder. Die Professionalität und das Können der Freeskier würden diesen Schritt aber auf alle Fälle legitimieren. Olympia würde unseren Sport auf jeden Fall weiterbringen.
Sie gehören im Big Air aktuell zur Weltspitze. Diese Disziplin hat in den nächsten Jahren aber kaum Chancen olympisch zu werden. Wahrscheinlicher ist es, dass in «Sotschi 2014» in der Halfpipe um Olympiamedaillen gefahren wird. Ist es möglich, beides auf Topniveau zu fahren?
Big Air und Halfpipe sind sehr unterschiedlich. Speziell Halfpipe erfordert viel Training, denn die optimale Landezone, der so genannte «Sweetspot», ist sehr kurz. Weil der Fortschritt betreffend Tricks derart rasant ist, schaffen es nur sehr wenige Athleten wie beispielsweise Jossi Wells, in beiden Disziplinen auf Topniveau zu springen. Die meisten Topathleten müssen sich auf eine Disziplin festlegen.
Würden Sie also für eine Teilnahme an Olympia in die Halfpipe wechseln?
Dies ist eine berechtigte Frage. Ich kann im Moment leider noch keine Antwort dazu geben.
Falls Sie sich für einen Wechsel entscheiden würden, wie realistisch wären die Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung in «Sotschi 2014»?
Ich hätte mir bereits niemals erträumt, mit 18 Jahren an die Weltspitze im Big Air vorstossen zu können...
Als Halfpipe im Snowboard 1998 in Nagano olympisch wurde, war dies in der Szene nicht unumstritten. Wie steht die Freeski-Szene zu Olympia?
Im Moment herrscht in der Freeski-Szene noch ein wenig Skepsis. Die meisten Fahrer haben sich wegen den straffen Strukturen in den Skiverbänden für Freeski entschieden. Das war auch bei mir so. Ich hoffe, man ist sich dessen bewusst und agiert auch dementsprechend.
Im Moment sind die X-Games der bedeutendste Event im Freeski. Würde sich durch Olympia daran etwas ändern?
Nein, die X-Games werden nicht an Stellenwert verlieren, denn dort wurden die Grundsteine unseres Sports gelegt. Für eine nachhaltige Entwicklung erscheint es mir wichtig, dass die X-Games und andere Kernveranstaltungen erhalten bleiben. Auch die «Association of Freeski Professionals» wird ihre Rolle im Bereich Tour-Organisation, Vermarktung der Sportart und vor allem im Bereich Judging [Bewertung; Anm.d.Red.] beibehalten.
Was müsste aus Ihrer Sicht für die Schweizer Freeski-Szene getan werden, wenn Halfpipe olympisch würde?
Mein Erfolg basiert auf mehreren Faktoren und nicht nur auf meinem Trick-Repertoire. Um mich herum hat sich ein ganzes Team gebildet, das es mir ermöglicht, da zu sein, wo ich im Moment bin. Ich hoffe deshalb, dass Swiss-Ski die richtigen Leute findet, um die wenigen Talente in der Schweiz optimal und vor allem nachhaltig zu fördern. Es ist wichtig, dass Experten, die mit der Szene stark verknüpft sind, eingebunden werden, denn das Schweizer Freeski-Team sollte geschlossen an allen Wettkämpfen teilnehmen und nicht nur an jenen des Internationalen Skiverbands FIS. Ausserdem müssen die Trainingsmöglichkeiten verbessert werden, die teilweise schon sehr gut sind, aber noch lange nicht mit den Parks in Amerika, beispielsweise Keystone oder Breckenridge, mithalten können.
Freeskiing ist ein weiter Begriff. Allgemein ist damit das Skifahren abseits klassischer Pisten gemeint. Dies kann einerseits im offenen Gelände passieren oder in künstlich angelegten Parks. Die Parks bestehen oft aus einer Halfpipe und mehreren Schanzen, so genannten Kickern. Am populärsten sind die beiden Wettkampfformen Halfpipe und Big Air. Beim Big Air wird, wie beim freestyle.ch in Zürich, über einen sehr grossen Kicker gesprungen.
Videos von Elias Ambühl am freestyle.ch 2010:
Elias Ambühl TV Episode 1.1
Elias Ambühl TV Episode 1.2