13. September 2010, christof.kaufmann

«Am wichtigsten war mir eine glaubwürdige Dopingbekämpfung» - Im Gespräch mit Marc-André Giger

Marc-André Giger war während fast vier Jahren CEO von Swiss Olympic. Ende August hat der Baselbieter den Dachverband des Schweizer Sports verlassen. Im Gespräch blickt er auf Erfolge und Misserfolge seiner Amtszeit zurück und freut sich darauf, nun selbst mehr Sport treiben zu können.

Marc-André Giger, Sie haben Swiss Olympic nach fast vier Jahren verlassen. Weshalb?
Ich habe mich am Vier-Jahres-Zyklus der Olympischen Spiele orientiert. Nach Vancouver 2010 stand ich vor der Frage, ob ich weitere vier Jahre bei Swiss Olympic bleiben wollte. In einem Alter von 49 Jahren habe ich mich entscheiden, nochmals einen Schritt vorwärts zu gehen im Gebiet, aus dem ich komme, der Kommunikation. Deshalb suche ich jetzt ein Unternehmen, das mein Netzwerk zu Politikern im Bundeshaus, lokalen und nationalen Medien sowie vielen privatwirtschaftlichen Firmen nutzen möchte. Zudem kann ich Führungserfahrung und ein breites Wissen bezüglich Corporate Communications und Public Affairs bieten. Ich bin gespannt, wo ich als nächstes arbeiten werde.

Auf welche Erfolge in den vergangenen vier Jahren sind Sie besonders stolz?
Am wichtigsten war mir eine glaubwürdige Dopingbekämpfung. Das kann sie nur sein, wenn sie von einer unabhängigen Stiftung betrieben wird, deshalb haben wir sie aus Swiss Olympic ausgegliedert, in die Stiftung Antidoping Schweiz. Ein schöner Erfolg ist, dass wir die Marketingeinnahmen um 30 Prozent steigern konnten. Auch konnten wir die Mehrwertsteuerbelastung im Sport verhindern und schliesslich ist es uns gelungen, in Vancouver perfekte Rahmenbedingungen für die Sportler zu schaffen. Das wurde mit neun Medaillen belohnt.

Gab es auch Misserfolge?
Die gab es natürlich auch. Beispielsweise haben wir zwei Mal erfolglos versucht, im Bundesparlament mehr Geld für die Dopingbekämpfung zu erhalten. Erst im dritten Anlauf wurde unser Anliegen gutgeheissen.

Im Leitbild von Swiss Olympic steht: „Mit seinem Engagement fördert Swiss Olympic den Spitzensport“. Wie sieht Ihre Bilanz diesbezüglich nach vier Jahren aus?
Die Olympischen Spiele sind um einige Dimensionen grösser, teurer und kommerzieller geworden. Dieser Entwicklung stellen wir uns. Mit Gian Gilli haben wir vor einem Jahr eine charismatische Persönlichkeit als „Leiter Spitzensport und olympische Missionen“ verpflichten können. Er verkörpert den Spitzensport wie kein anderer und ich bin überzeugt, dass er die Rahmenbedingungen noch besser gestalten wird für die besten Sportlerinnen und Sportler unseres Landes.

Hin und wieder ist zu hören, Swiss Olympic tue zu wenig für den Breitensport. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
Die Aktivitäten von Swiss Olympic im Bereich Breitensport stehen naturgemäss im Schatten des Spitzensports, der in der Öffentlichkeit nun einmal viel stärker wahrgenommen wird. Dabei gibt es viele Beispiele, wie Swiss Olympic den Breitensport unterstützt. Ich denke da beispielsweise an all die Ausbildungslehrgänge, in denen die Funktionäre in den Verbänden und Vereinen gestärkt werden. Oder Swiss Olympic Volunteer, ein Programm, das hilft, die Arbeit der 630'000 Ehrenamtlichen im Schweizer Sport zu koordinieren und zu honorieren.

Ihre Nachfolge wird am 1. März 2011 Daniel Suter antreten. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?
Es ist ein schönes Gefühl, meinem Nachfolger einen kerngesunden Verband übergeben zu können. Nachdem wir 2008 gegenüber dem Budget ein grosses Defizit in der Jahresrechnung ausweisen mussten in der Jahren rechnen, konnten wir 2009 rund 150’000 Franken über dem Budget abschliessen, und auch 2010 sieht es gut aus.

Gibt es auch Baustellen?
Die Positionierung des Bundesamts für Sport (BASPO) und von Swiss Olympic in Sachen Spitzensport wird sicherlich ein Diskussionsthema bleiben. Die Fokussierung auf den Spitzensport wird immer grösser, hier müssen intensive Gespräche geführt werden.

Bleibt Ihnen nun wieder mehr Zeit, um selbst Sport zu treiben?
Oh ja, ich werde bald in der Bestform meines Lebens sein. (lacht) Im Ernst: Ich werde sicher vermehrt meine Joggingrunden in den schönen Wäldern und Wiesen des Oberbaselbiets drehen. Und ich werde sicher auch häufiger mit dem Rennrad unterwegs sein.

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Kategorien: Verschiedenes

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