5. November 2010, susanne.boehlen

«Sochi 2014» – 40'000 Bauarbeiter sind am Werk

Ein Direktflug aus der Schweiz nach Sotschi existiert (noch) nicht. Auch via Moskau und Istanbul ist die Anreise nur in zwei Tagen möglich. So entschieden wir uns für den Flug von Zürich via Wien nach Sotschi. Nach der Landung morgens um 3:20 Uhr ging es per Auto eine weitere Stunde in Richtung Berge nach Krasnaya Polyana.

Unser «Bus» für die Besichtigung des Langlauf- und Biathlon-Zentrums

Die Olympischen Spiele 2014 werden in zwei Hauptgebieten ausgetragen: Im «Mountain Cluster» finden alle Schneesportarten statt und im «Coastal Cluster» alle Eissportarten. Die beiden Clusters liegen ungefähr 50 Kilometer weit auseinander. An den Spielen wird eine neue Bahnlinie die beiden Austragungsorte erschliessen und die Athleten und Offiziellen sowie die Zuschauer von Sotschi aus in die alpinen Regionen bringen.

Modell der Region Roza Khutor mit dem Mountain Olympic Village sowie den Wettkampfstätten Ski alpin, Freestyle Ski und Snowboard

Arbeiter, Maschinen und Dreck

Wir haben während der dreitägigen Reise einen ersten Eindruck der Distanzen und des Stands der Vorbereitungsarbeiten erhalten. Eines hatten alle Besichtigungen der zukünftigen Wettkampfstätten gemeinsam: Wir sahen viele Bauarbeiter, viele Baumaschinen und viel Sumpf und Dreck. 40'000 Bauarbeiter sind im ganzen Tal während 24 Stunden in drei Schichten am Werk, damit im Februar 2014 alles bereit steht. Die ersten Wettkämpfe sind im Februar 2011 geplant. Dann sollen Europa-Cup-Rennen im Ski alpin in Roza Khutor ausgetragen werden. Bis dahin gibt es aber noch viel Arbeit: Die Gondelbahnen zu den alpinen Anlagen sind zwar erstellt, sie befinden sich aber noch in der Testphase. Unserer Delegation wurde die Fahrt mit der neuen Anlage noch nicht erlaubt… Mit einem grossen Modell der Pisten, des Olympic Villages und der Transportanlagen bekamen wir aber dennoch einen guten Eindruck, wie die Region in gut drei Jahren aussehen soll.

Die Bauarbeiten für das Langlauf- und Biathlonzentrum sowie das «Endurance Olympic Village» sind am weitesten fortgeschritten. Die ersten Chalets des Olympic Villages, die Bauten für die Schiessanlage, die Tribünen und das Ausdauer-Zentrum nehmen Form an. Mit einem «Bus» (siehe Bild ganz oben) konnten wir trotz dem sehr nassen Wetter und den schwierigen Bodenverhältnissen diese Baustellen besichtigen.

Auch im «Sliding Center» und bei der zukünftigen Skisprunganlage wird heftig gebaut. Die Zufahrtsstrassen sind im Moment noch im Bau und somit blieb nur die Zufahrt über holprige und matschige Wege – die Fahrer hatten ihre Fahrzeuge aber im Griff und brachten uns heil wieder ins Tal.

Drei Olympische Dörfer

Die Teams werden in Sotschi in drei verschiedenen olympischen Dörfern untergebracht sein: im Village für die Disziplinen Langlauf und Biathlon in Psekhako Ridge, im Olympischen Dorf im Gebirge rund um Rhoza Khutor (Ski alpin, Freestyle Ski, Snowboard, Skispringen, Bob, Skeleton und Rodeln) und im Olympic Village innerhalb des Olympic Park im Coastal Cluster, welches den Sportarten Eishockey, Curling, Eislauf, Eisschnelllaufen und Short Track Unterkunft bietet. Im Olympic Park finden ebenfalls die Eröffnungs- und Schlussfeiern sowie die Siegerehrungen statt.

Moskau

Die Büros des Organisationskomitees von Sotschi sind in Moskau untergebracht. Der Flug von Sotschi nach Moskau brachte uns am nächsten Tag in guten zwei Stunden in die 14-Millionen-Hauptstadt von Russland. Sotschi scheint bei den Russen eine beliebte Destination zu sein – der Flug war restlos ausgebucht und gemäss Alla Sokolova (unsere Ansprechperson für Sotschi) sind praktisch alle Flüge (es gibt mehrere pro Stunde) zwischen den beiden Städten voll. Sotschi ist ein bekannter Kurort am schwarzen Meer und so nutzen viele Russen die Möglichkeit für einen Kuraufenthalt in der Sonne und am Meer.

In Moskau wurden wir mit dem massiven Verkehrsaufkommen am Feierabend konfrontiert. Die Autokolonnen standen still und wir bangten schon um unseren Besuch in der Schweizer Botschaft in Moskau. Doch irgendwie schaffte es unser Fahrer dann doch recht schnell durch den ganzen Verkehr im Stadtzentrum. Beim Nachtessen mit Generalkonsul Ruedi Bloch und dem ersten Stellvertreter des Botschafters, Stefan Estermann, haben wir sehr interessante und wichtige Informationen zur Zusammenarbeit und den diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz erhalten. Der kurze nächtliche Besuch auf dem geschichtsträchtigen Roten Platz beeindruckte uns ebenfalls sehr.


Hier entsteht der Bolshoi Ice Palace, das Eishockeystadion mit 12'000 Zuschauerplätzen im Olympic Park in Sotschi

Vor der Rückkehr in die Schweiz (Flug Moskau–Zürich) stand noch das Meeting mit Vertretern des Organisationskomitees im Headoffice in Moskau auf dem Programm. Die Sportmanager (Biathlon, Freestyle Ski und Snowboard, Skispringen und Bob/Rodeln/Skeleton) sowie die Verantwortlichen für die Olympic Villages und den Bereich Transport stellten uns ihre Konzepte vor und nahmen unsere Fragen und Inputs entgegen. Sie verfügen über viel Erfahrung und zeigten, dass sie alles daran setzen werden, damit die Spiele 2014 erfolgreich durchgeführt werden können. Alle Anlagen werden neu gebaut und somit können die Erfahrungen der vergangenen Spiele bei der Erstellung berücksichtigt werden und in die Planung einfliessen. Wir sind überzeugt, dass Russland die Spiele perfekt organisieren und durchführen will. Die Unterstützung durch die Politik ist gewährleistet und somit werden auch die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Als «Head of Olympic Team Support» bei Swiss Olympic kümmert sich Susanne Böhlen um die gesamte Logistik und Organisation für das Swiss Olympic Team. Das beinhaltet die Reiseplanung, die Bekleidung, die Organisation von externen Unterkünften, Materialtransporte und Ähnliches mehr. Ende Oktober 2010 war sie auf der ersten Rekognoszierungs-Reise für die Winterspiele 2014 in Sotschi.
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