Vor 88 Jahren gewannen die Schweizer Fussballer Olympia-Silber. Vor 84 Jahren schieden sie nach nur einem Spiel aus. Aller guten Dinge sind drei - oder auch gut Ding will Weile haben: Nach «Paris 1924» und «Amsterdam 1928» folgt nun «London 2012». Ein kurzer Rück- und Ausblick.
An den Olympischen Spielen 1924 in Paris spielten die Schweizer Fussballer gross auf: Sie unterlagen erst im Endspiel den Uruguayern – und holten damit neben Olympia-Silber als bestes europäisches Team den Europameistertitel obendrauf. Dabei mussten die Schweizer zuerst noch um ihre Finalteilnahme bangen: Ihr Zugticket für die Holzklasse, damals mit ungepolsterten Bänken die unbequemste, aber dafür die billigste, war nämlich nur zehn Tage gültig. Und es fehlte das Geld, um es verlängern zu lassen. Man glaubte wohl vor dem Turnier – und das ist vielleicht nicht ganz unschweizerisch – selbst nicht an die eigene Stärke, ging man doch davon aus, dass man spätestens nach dem Achtelfinal wieder abreisen würde. Eine Spendenaktion der Zeitschrift «Sport» brachte schliesslich den notwendigen Batzen zusammen, damit die Schweizer bleiben konnten. Eine schöne Geschichte, auch wenn die Schweiz gegen den fabelhaften Fussball aus der neuen Welt nicht bestehen konnte und der Final mit 0:3 klar verloren ging.

Schweizer Jubel nach dem 1:0 gegen Island, U21-EM 2011 in Dänemark (Foto: Keystone)
Unbeliebte Trostrunde
1928 in Amsterdam war die Schweiz dann letztmals an einem olympischen Fussballturnier dabei. Nach dem Erfolg vier Jahre zuvor schieden sie in Holland jedoch nach einer 0:4-Niederlage gegen das damalige Deutsche Reich und nach nur gerade einem Spiel aus. Eine Enttäuschung, die zur Folge hatte, dass die Schweizer Mannschaft nicht einmal mehr an der so genannten Trostrunde teilnahm. Diese war sowieso nicht sehr beliebt, nur gerade vier der 13 Mannschaften, die in den ersten beiden Runden ausgeschieden waren, spielten noch mit. Auch in Zeiten also, in der das Dabeisein gegenüber dem Gewinnen wohl noch etwas mehr Gewicht hatte, konnten die meisten Teams auf diese Art Trost verzichten. So wurde die Trostrunde nach 1928 abgeschafft.
Im Olympia-Final 1928 gab es übrigens keine Verlängerung: Weil das Endspiel zwischen Uruguay und Argentinien unentschieden ausging, fand drei Tage später eine Wiederholung statt, die die Urus mit 2:1 für sich entschieden und damit nach 1924 erneut Olympiasieger wurden.
Erstmals seit 84 Jahren
Nun ist es also endlich wieder einmal soweit: 2012 in London wird die Schweiz erstmals seit 84 Jahren wieder an Olympia mitkicken. «Die Qualifikation der U21 ist in vielerlei Hinsicht wertvoll», sagt Gian Gilli, Sports Director bei Swiss Olympic. «Erstmals seit Atlanta 1996, wo die Handball-Nati mit dabei war, fahren wir wieder mit einer Mannschaft an die Sommerspiele. Neben den Einzelsportlerinnen und -sportlern bringen Teams immer eine spannende Dynamik, sie sind eine Bereicherung für die Olympia-Delegation. Wir freuen uns, die Schweizer Fussballer nach London mitzunehmen.»

Philippe Koch (2) und Fabian Frei (9) (Foto: henrikalexandersen (Flickr))
Olympia sei für jeden Athleten ein einzigartiges Erlebnis, auch für Teamsportler, so der Sports Director weiter: «Bei der Eröffnungsfeier mit den weltweit besten Athletinnen und Athleten unterschiedlichster Sportarten ins Olympiastadion einzulaufen, zum Beispiel, daran wird sich jeder ein Leben lang erinnern.» Und aus sportlicher Sicht seien die Olympischen Spiele für die Fussballer eine interessante internationale Plattform. «Selbstverständlich traue ich dem Team ein erfolgreiches Turnier zu», sagt Gilli, der als Chef de Mission die Schweizer Delegation in London anführen wird.

Timm Klose, ab kommender Saison beim 1. FC Nürnberg (Foto: henrikalexandersen (Flickr))
Wir freuen uns also auf die Schweizer Fussballer in «London 2012». Genauso wie sie selbst. Und bestimmt würde in der englischen Metropole eine Finalteilnahme nicht daran zu scheitern drohen, dass das Schweizer Team frühzeitig abreisen muss, weil der Rückflug nicht mehr gültig ist. Unsere Fussballer werden so lange bleiben können, wie sie im Turnier sein werden – und dann auf bequemen Polstersitzen nach Hause fliegen, denn die Holzklasse wurde in Flugzeugen gar nicht erst eingeführt.