7. Januar 2011, swiss.olympic

«Ich habe Zuversicht und Berufserfahrung gewonnen»

Ihr nächstes Ziel ist Sotschi 2014. Anschliessend wird Stefanie Marty, eine der besten Schweizer Eishockeyspielerinnen, den Sprung in die berufliche Karriere vollziehen. Die 22-Jährige bereitet den Übergang jetzt schon vor: Dank dem Swiss Olympic Athlete Career Programme (kurz ACP) konnte sie während zwei Praktika bei Adecco Berufserfahrung sammeln. Im Interview erzählen sie, ihr ehemaliger Chef Soren Gade und Claudia Kaufmann, Project Manager Swiss Olympic ACP, von ihren Erfahrungen.


Stefanie Marty an den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 Bild: Keystone

Stefanie Marty, erzählen Sie uns doch bitte etwas über sich und Ihre sportliche Laufbahn.

Stefanie Marty: «Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr in der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Ich war bei den Olympischen Winterspielen in Turin und in Vancouver und bei fünf Weltmeisterschaften dabei. In Kürze beginne ich im Rahmen eines Sportstipendiums das dritte Jahr meines Finanz- und Wirtschaftsstudiums an der Syracuse University in New York, wo ich auch für die Universitätsmannschaft spiele. Sportlich gesehen sind die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi mein nächstes grosses Ziel. Anschliessend plane ich, meine berufliche Karriere voranzutreiben.»

Wie sind Sie auf das Swiss Olympic ACP aufmerksam geworden?

Matthias Zurbuchen, ehemaliger Leiter Athletensupport bei Swiss Olympic, hat mir das Swiss Olympic Athlete Career Programme vorgestellt und mich mit Claudia Kaufmann von Adecco zusammengebracht. Claudia ist die Programmverantwortliche bei Adecco Schweiz. Claudia vermittelte mir zwei Praktika bei Adecco. 2008 war ich drei Monate lang Research Assistent in der Filiale Adecco Finance in Zürich. 2010 arbeitete ich während den Semesterferien als Praktikantin im Bereich Finanzanalysen im internationalen Hauptsitz von Adecco HQ im Management Reporting Team.

Was konnten Sie aus den Praktika mitnehmen?

In meiner letzten Funktion konnte ich das, was ich kürzlich an der Universität gelernt hatte, in die Praxis umsetzen. Für mich ist diese Erfahrung sehr wertvoll, ich erlebte, wie die Arbeitswelt funktioniert. Ich habe gemerkt, dass man bereit sein muss, Verantwortung für sich selbst und für das Team zu übernehmen. Dies ist ein sehr grosser Unterschied zur Unterrichtssituation. Alles in allem habe ich mehr Zuversicht und Erfahrung gewonnen. Ich bin überzeugt, dass ich mit diesen Voraussetzungen einen erfolgreichen Übergang ins Arbeitsleben realisieren kann.

Gibt es, nach dem Einblick, den Sie bislang in die Arbeitswelt erhalten haben, Parallelen zwischen dem Erfolg im Beruf und dem im Sport?

Die Parallelen sind sehr deutlich. Man muss als Team denken und arbeiten und das erfordert eine gute Kommunikation. Ich denke, dass man sowohl im Sport als auch in der Geschäftswelt extrem fokussiert, sehr gut organisiert und vorbereitet sein muss.

Soren Gade, Sie leiten das Management Reporting Team, bei dem Stefanie gearbeitet hat. Wie schätzen Sie den Beitrag ein, den Sportler leisten können, wenn sie in das normale Arbeitsleben wechseln?

Stefanie hat sich sehr schnell in die Teamdynamik eingefunden. Sie hat sehr gut mit unserem Team im Büro sowie mit den Kollegen in der ganzen Welt kommuniziert, während sie Informationen von den Märkten eingeholt hat. Vielleicht konnte sie sich hier auf das Selbstvertrauen stützen, das sie in ihrer internationalen Sportkarriere erlangt hat. Vor allem war sie in Bezug auf das Setzen und Erreichen von Zielen hervorragend motiviert. Jeder Arbeitgeber würde sich solche Qualitäten in seinem Team wünschen. Stefanie war eine echte Bereicherung für das Team.

Claudia Kaufman, Sie betreuen die ACP-Sportler in der Schweiz. Wo liegen die Herausforderungen beim Finden von Arbeitsstellen für Sportler und wie können Praktika, wie Stefanie sie gemacht hat, dabei helfen?

Ich betreue pro Jahr circa 30 Sportler individuell. Das ACP wird von Swiss Olympic in Kooperation mit Adecco durchgeführt. Ich unterstütze die Sportler bei der Entwicklung ihrer beruflichen Laufbahn sowie bei der Arbeitsplatzsuche. Ein grosses Hindernis bei der Stellenvermittlung ist die in vielen Unternehmen vorherrschende Angst, dass Sportler flexible Arbeitszeiten benötigen, um Training und Wettkämpfe unterbringen zu können, und dass es ihnen an Arbeitserfahrung fehlt. Stefanie ist ein Vorbild für das, was erreicht werden kann. Mit unserem Einverständnis hat sie das Büro jeden Tag um 16.30 verlassen, allerdings hat sie ihre Verantwortlichkeiten bei ihrer Arbeit immer erfüllt. Darüber hinaus wird sie dank der Erfahrungen, die sie gesammelt hat, eine sehr interessante Mitarbeiterin sein, wenn sie das Studium beendet hat und ihre sportliche Laufbahn hinter sich lassen wird.

Glauben Sie, dass Praktika bei Adecco für das IOC ACP insgesamt von Vorteil sind?

In jedem Fall. Dadurch, dass Adecco Taten sprechen lässt und Sportler aufnimmt, können wir klar aufzeigen, welche Qualitäten sie in die Arbeitswelt einbringen können. Ich werde anderen Unternehmen, die wir im Hinblick auf Einstellungsmöglichkeiten ansprechen, von Stefanies Erfolgsstory berichten.
 

Das IOC und Swiss Olympic Athlete Career Programme

Das 2005 gestartete IOC Athlete Career Programme in Cooperation with Adecco unterstützt Sportler beim Übergang vom Sport in die Berufswelt. Dies kommt nicht nur den Sportlern zugute, sondern auch den Unternehmen, die Sportler aufnehmen. Denn sie finden in diesen hochmotivierte, gut organisierte und äusserst teamfähige Mitarbeiter. Auf nationaler Ebene heisst das Programm Swiss Olympic Athlete Career Programme und wurde auf die Bedürfnisse der Schweizer Sportler angepasst.

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