Fussballprofi zu sein und von meinem Sport leben zu können – das ist mein Wunschtraum, meine Vision. In der Schweiz ist das im Frauenfussball nicht möglich, aber in den USA oder in Deutschland schon. Das ist noch ein langer Weg. Mein nächstes Ziel ist es, in die Nati A zu kommen. Und kurzfristig, ein Aufgebot in der U16-Nati zu erhalten.

Ich spiele für das Team Waadt bei den U18-Frauen. Während der Woche trainiere ich im Fussball-Ausbildungszentrum für Mädchen in Huttwil, bereits im zweiten Jahr. Hier gehe ich auch zur Schule und wohne bei einer Gastfamilie. Es gefällt mir sehr gut in Huttwil, zuerst war es zwar für mich als Waadtländerin sehr schwierig wegen der Sprache, das ist jetzt aber kein Problem mehr. Ab nächstem Sommer werde ich ein Sportgymnasium besuchen. Und dann will ich Physiotherapeutin werden.
Wir Fussballerinnen haben es sehr gut untereinander. Hier im 3T ist nun der erste Zusammenzug der U16-Nati, ich freue mich sehr, die anderen Mädchen kennen zu lernen. Klar ist aber: Wenn das Training beginnt, beginnt auch der Konkurrenzkampf untereinander. Und dieser ist gross. Mit den Fussball-Jungs haben wir nicht viel Kontakt, da es in Huttwil nur Mädchen hat. Auch unsere Vorbilder im Fussball sind Frauen. Meine Vorbilder sind Ramona Bachmann und Lara Dickenmann. Beide sind Stürmerinnen, Technikerinnen – einfach die Besten. Bei den Frauen weiss man, dass sie nicht für Geld oder Ruhm Fussball spielen.
Vielleicht haben es Frauen etwas einfacher, um an die Spitze zu kommen, da es viel weniger Frauen gibt, die Fussball spielen. Dafür ist man mit den Frauen etwas strenger. Sagt man. Und dass es bei den Männern viel mehr Zuschauer hat als bei den Frauen, war schon immer so, das beschäftigt mich nicht. Frauenfussball ist jedoch im Kommen. In zehn Jahren wird er bereits viel populärer sein als heute.

Fussball bedeutet für mich in erster Linie Spass. Deshalb möchte ich auch, dass Fussball zu meinem Beruf wird. Aber zuerst muss ich hart dafür arbeiten. Ich werde alles geben dafür, denn Fussball bedeutet mir alles. Aber ich will auch als Spitzensportlerin Spass haben, das ist mir wichtig.
Ich habe keine Angst vor dem Spitzensport. Es ist sehr streng in Huttwil und man bereitet uns darauf vor, dass es noch strenger wird. Wir haben jedoch professionelle Strukturen, der Schritt in den Spitzensport ist also eigentlich bereits getan. Klar ist es manchmal schwierig, nicht so viel Freizeit zu haben oder mit Freunden ausgehen zu können. Doch ganz verzichten muss ich ja nicht: Samstags ist es häufig möglich, mich mit meinen Kolleginnen von Zuhause zu treffen. Und dank Facebook bin ich täglich mit ihnen in Kontakt, das ist super. Ich bin nun gespannt, was wir im 3T erleben werden, und freue mich auch darauf, Athleten aus anderen Sportarten kennen zu lernen. (Aufgezeichnet von Manuela Ryter)
Audrey Wuichet (15) aus Gimel in Waadt ist in der U16-Nati und lebt und trainiert seit über einem Jahr im Fussball-Ausbildungszentrum für Mädchen in Huttwil. Sie nimmt vom 26. September bis 1. Oktober mit rund 400 Talenten aus 22 Sportarten am Talent Treff Tenero, kurz 3T genannt, teil.
Lesen Sie hier die Reportage aus dem diesjährigen Herbst-3T.