25. März 2011, manuela.ryter

«Als Sportler profitiere auch ich von den unzähligen freiwilligen Helfern»

Sie sind Trainerinnen und Materialchefs, Sekretäre und Vorstandsmitglieder: Tausende Freiwillige in den Schweizer Sportverbänden. Jedes Jahr investieren sie viele Stunden in ihren Verein – gratis und franko. Was treibt sie an? Unter (vielem) anderen das Mitspracherecht, sagt Felix Weilenmann, die gute Seele des Triathlonvereins Triclub Seeland. Denn «Freiwillige denken mit – sie sind keine Angestellten, die nur ausführen» (Goldene Regel in der Freiwilligenarbeit Nr. 2).

Ohne sie wäre der Schweizer Sport tot: Die Tausenden Freiwilligen, die jedes Jahr zig Stunden für ihren Verein einsetzen. Sie geben Trainings, sie coachen Jugendliche, sie organisieren Wettkämpfe, sie machen die Vereinsbuchhaltung, sie stellen Trainingslager und «Chlousehöcks» auf die Beine, sie dienen als Zeitmesser und Schiedsrichter, sie chauffieren Kids zum Fussballplatz, ins Hallenbad oder in die Berge zum Skirennen, sie schreiben Texte fürs Vereinsheft, sie suchen Sponsoren für ihre Talente, sie organisieren Material und geeignete Trainingsmöglichkeiten.

Insgesamt wurden im Jahr 2010 insgesamt 3,42 Millionen ehrenamtliche Stunden in den Schweizer Sport investiert, wie die kürzlich veröffentlichte Vereinsstudie aufgezeigt hat. Der Wert dieser Arbeit? Fast zwei Milliarden Franken! Nur dank dieser wertvollen und kostenlosen Arbeit ist es möglich, dass 1,6 Millionen Schweizerinnen und Schweizer, darunter 34 Prozent Kinder und Jugendliche, in knapp 21'000 Sportvereinen trainieren können, von denen 86 Prozent Wettkampfsport betreiben.


                                                                                                            Bild: Swiss Olympic

Doch was treibt diese vielen engagierten Menschen an? Weshalb verbringen sie ihre Abende mit unbezahlter Arbeit statt mit Kino? Weshalb fahren sie an ihren Wochenenden als freiwillige Helfer an Wettkämpfe statt in die Berge? Klar ist: So viele unterschiedliche ehrenamtliche Aufgaben es gibt, so viele Antworten gibt es auf diese Fragen. Es sei ein Geben und Nehmen, sagt der 38-jährige Felix Weilenmann, Ironman-Spezialist aus Aegerten bei Biel und die gute Seele des Triathlonvereins Triclub Seeland. Während seine zwei Buben um seinen Bürotisch im ausgebauten Estrich herumwuseln, erledigt er administrative Arbeiten für den Verein, an anderen Abenden leitet er Trainings oder denkt an Sitzungen über die Zukunft des Vereins mit. Und daneben legt er jede Woche schwimmend, rennend und radfahrend hunderte Kilometer zurück.

Felix Weilenmann, weshalb braucht es Freiwillige im Sport?

Weil es sehr wichtig ist, dass Vereine existieren und Anlässe stattfinden können, was ohne Freiwillige nicht möglich wäre.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten übernehmen Sie für den Triclub Seeland?

Ich bin Vorstandsmitglied und übernehme als Sekretär die Protokolle, die Mitgliederverwaltung und sonstige Aufgaben, erledige generelle Anfragen und unterstütze den Präsidenten. Als Webmaster unterhalte ich unsere Webseite und schalte immer die aktuellsten Resultate auf. Als J+S-Coach bin ich für die administrative Abwicklung unseres J+S-Angebots zuständig. Als J+S-Leiter gebe ich Trainings für Jugendliche. Und als OK-Mitglied des Kinderwettkampfs Kids-Biennathlon, den unser Verein organisiert, bin ich unter anderem für die Infos und die Anmeldungen zuständig.

Wie viel Aufwand haben Sie pro Woche für Ihren Verein?

Das ist sehr schwer einzuschätzen. Ich zähle die Stunden nicht und erledige die Arbeit nebenbei.


                                                                                                                    Bilder: zvg

Was treibt Sie an, Ihre Freizeit mit Arbeit für den Verein zu verbringen?

Ein Verein lebt nun mal von Freiwilligenarbeit und ich will, dass der Verein gut läuft. Es ist für mich selbstverständlich, dass man sich engagiert. Ich war schon früher ehrenamtlich tätig, damals in der Jungschar. Seit 2008 engagiere ich mich im Triclub, in dem ich seit acht Jahren trainiere. Insbesondere die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist toll. Es gefällt mir, jungen Leuten etwas beizubringen und ihnen den Triathlon-Sport näherzubringen – und ihnen damit eine gesunde und sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten.

Erhalten Sie auch etwas zurück?

Auf jeden Fall! Im Sport können alle Freiwilligen voneinander profitieren. Der Sport gibt mir sehr viel: Als Sportler geniesse ich die guten Schwimmtrainings im Verein, die geselligen Anlässe und die Möglichkeit, zusammen mit anderen Triathleten trainieren zu können. Und auch als Leistungssportler profitiere ich von den unzähligen Helfern: An jedem Triathlon oder Ironman bin ich froh über gute Sicherheitsvorkehrungen, die von Freiwilligen geleistet werden, und über jedes Getränk, das mir von Freiwilligen übergeben wird. Es ist ein Geben und Nehmen und es ist mir ein Anliegen, dem Sport auch etwas zurückzugeben.

Sie sind selbst noch aktiver Sportler. Wie viele Stunden trainieren Sie pro Woche?

In einer normalen Woche trainiere ich 12 bis 18 Stunden.

Was war Ihr grösster Erfolg?

Der 44. Platz von insgesamt 2500 Teilnehmern am Langdistanz-Ironman in Österreich. Damit hätte ich mich für die WM in Hawaii qualifiziert – bereits zum vierten Mal. Einmal habe ich in Hawaii teilgenommen, um mir diesen Traum zu erfüllen. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, in Hawaii zu starten, wo die absolute Weltspitze versammelt ist. Grundsätzlich ist es mir aber zu weit und zu teuer. Aber wer weiss – vielleicht werde ich ja bald ein zweites Mal gehen? Ich würde gerne mal mit der ganzen Familie gehen.


                                                                                                          Bild: Swiss Olympic

Sie sind Vater von zwei Kindern. Wie bringen Sie Training, ihre Arbeit als Elektroingenieur, Familie und Vereinsarbeit unter einen Hut?

Eigentlich klappt das ganz gut. Bei meiner Arbeit sitze ich zu 98 Prozent vor dem Computer – da sind Sport und Verein ein toller Ausgleich. Klar gibt es Momente – insbesondere bei Administrativem –, in denen ich denke «jetzt auch das noch», aber normalerweise findet sich immer etwas Zeit, um die Aufgaben zu erledigen.

Erhalten Sie auch Anerkennung für Ihre Arbeit?

Es gibt jedes Jahr ein Vorstandsessen für alle Leiter und als Vorstandsmitglied muss ich keinen Jahresbeitrag bezahlen. Ausserdem erhalte ich dank meinem Engagement als Vorstandsmitglied viel Mitspracherecht. Ich habe die Möglichkeit, meine Ideen einzubringen und mitzuentscheiden. Das ist sehr wertvoll für mich.

Woran liegt es, dass so viele Vereine ihre vakanten Posten nicht besetzen können?

Die Mentalität hat sich verändert: Viele wollen profitieren und sind nicht bereit, auch etwas zu geben. Oder sie haben in ihrer Freizeit so viel los und haben deshalb keine Zeit für freiwilliges Engagement. Wir überlegten lange, wie man die Mitglieder motivieren könnte, denn es ist auch in unserem Verein schwierig, engagierte Leute zu finden. Wir hatten Mühe, einen Ersatz für den Schwimmleiter zu finden – trotz einer Entschädigung von 25 Franken pro Training. Bei der letzten GV setzten wir das Thema Freiwilligenarbeit bewusst auf die Traktandenliste – der Posten des technischen / sportlichen Leiters, also des Koordinators aller Leiter, ist trotzdem vakant geblieben. Jetzt hat sich zum Glück doch noch jemand gemeldet. 

2011 ist das Jahr der Freiwilligen. Auch im Sport würde ohne Freiwillige nichts gehen. In dieser Serie zeigen wir, was Volunteers in Sportvereinen und an sportlichen Grossanlässen leisten. Und möchten uns damit bei ihnen bedanken.

Hier können Sie die Vereinsstudie herunterladen.

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