Der Frühling kommt und es ist Zeit, eine Bilanz über die Bahn-Saison 2010/2011 zu ziehen. Welche Ziele haben wir erreicht? Welche müssen noch erreicht werden, damit unser Projekt «Mannschaftsverfolgung Bahn» für die Olympischen Spiele aktuell bleibt?
Unser Hauptziel für die Saison war es, mit dem Bahn-Vierer die Zeit 4:10 Minuten zu erreichen. Bereits ziemlich früh in der Saison, an den Schweizermeisterschaften in Pruszków im November, erreichten wir dieses Ziel mit 4:10:68 - und damit den neuen Schweizer Rekord! Wir erreichten mit dieser Zeit den siebten Rang an den Europameisterschaften. Der Vierer war mit Kilian Moser, Claudio Imhof, Cyrille Thiéry und mir besetzt.

Tolles Team: Claudio Imhof, Silvan Diller, Loïc Perizzolo und Alexander Aeschbach (v.l.). Bild: (zvg)
An den U23-Europameisterschaften in St. Petersburg, erreichte das Team, besetzt mit Jan Keller, Kilian Moser, Claudio Imhof und mir, im kleinen Final den fünften Platz - nur fünf Zehntel Sekunden fehlten für die Bronzemedaille! In den vier Weltcup-Rennen, die darauf folgten (Melbourne, Cali, Peking und Manchester), wurden vier verschiedene Teams eingesetzt, die jedes Mal fast identische Zeiten fuhren. Der beste Einsatz wurde in Cali mit 4:11:2 und einem sechsten Platz erreicht.
Dank all dieser Leistungen qualifizierten wir uns problemlos für die Weltmeisterschaften in Apeldoorn, von wo aus ich diesen Artikel schreibe. Unser Team (Alexander Aeschbach, Silvan Dillier, Claudio Imhof und ich) setzte sich hier zum Ziel, die 4:10 Minuten zu unterbieten. Beim Einwärmen fühlten wir uns gut - trotzdem kamen Claudio Imhof und ich im Wettkampf nicht auf Touren und wir erreichten mit 4:11:5 Minuten den 13. Rang. Trotz der Enttäuschung sahen wir diese Leistung positiv: Noch vor einem Jahr hätten wir mit zwei Fahrern, die «klemmen», eine viel schlechtere Zeit erreicht. Die Basisarbeit, die wir im Training geleistet hatten, hatte sich ausbezahlt. Ausserdem was das Saisonziel erreicht – die Zeit noch weiter zu senken, wäre das Tüpfchen auf dem I gewesen.
Die Bilanz dieser Saison ist toll: Wir übertrafen bei allen Rennen den ehemaligen Schweizer Rekord vom März 2010 (4:13 Minuten). Ausserdem wurden die Zeiten immer mit anders zusammengesetzten Teams erreicht. Das zeigt, dass alle Fahrer dieses Projekts den gleichen Fortschritt machen und dass unsere Basis gut und der Weg, den wir eingschlagen haben, der richtige ist. Das Projekt «Bahn-Vierer» ist also aktueller denn je.

Für die kommende Saison ist klar, dass die Erwartungen noch höher sein werden. Aus persönlicher Sicht denke ich, dass eine Zeit von 4:08:07 möglich ist – und möglich sein muss, falls wir eine Chance, an den Olympischen Spielen in London teilzunehmen, behalten wollen. Die einzige Lösung, um dies zu erreichen, ist es, noch enger und professioneller zusammenzuarbeiten. Das ist auch der Grund, weshalb uns die Schweizer Armee ermöglicht, die Rekrutenschule als Spitzensport-RS zu absolvieren.
Ab dem 18. April wird nun eine Gruppe aus sieben Fahrern, die zum «Projekt Bahn-Vierer» gehören, für 13 Wochen in die Spitzensport-RS einrücken. In der RS werden wir nach einem präzisen Trainingsplan sowohl individuell wie auch gemeinsam trainieren. Die ersten drei Wochen werden wir in Magglingen sein, wo wir als Sportlehrer ausgebildet werden. Die folgenden zehn Wochen werden aus Schnelligkeitstrainings, Krafttraining und Strassenrennen mit unseren jeweiligen Teams bestehen.
Auf lange Sicht – und wenn man den Steigerungsspielraum, den wir als so junges Team noch haben, berücksichtigt – glaube ich fest daran, dass wir das Potenzial haben, in drei bis vier Jahren an der Weltspitze um Medaillen zu kämpfen. (Quelle: Swiss Cycling; Übersetzung: Swiss Olympic)
Loïc Perizzolo, Schweizermeister 2010 im Madison, ist Mitglied des Bahn-Vierer-Teams, dessen grosses Ziel die Olympischen Spiele in London 2012 sind. Momentan absolviert er die Spitzensport-RS.