Im August finden erstmals die Youth Olympic Games (YOG) der Sommersportarten statt – in Singapur. Hier hat im März auch das Chef-de-Mission-Seminar stattgefunden: Über 300 Vertreter der Nationalen Olympischen Komitees (NOC) von Äthiopien bis Zypern reisten an, um einen Eindruck vor Ort und Antworten auf die vielen Fragen zu erhalten. Denn was die YOG genau sein sollen, war bislang nicht ganz klar. Das Seminar hat vieles, vor allem Organisatorisches aufgeklärt und wiederum neue Fragen aufgeworfen. Über Ziel und Zweck der YOG waren sich das IOC und die NOC’s nämlich nicht einig.

Jacques Rogge, Präsident des IOC, am Chef de Mission Seminar
Sicher ist: Singapur wird alles dafür tun, die Youth Olympic Games als einmaligen und atemberaubenden Event in die Geschichte eingehen zu lassen.
5000 junge Athleten, die Besten ihres Jahrgangs in ihrer Sportart, werden im August in Singapur bei brütender Hitze und tropischer Feuchtigkeit ihre Höchstleistung abrufen. Das OK wird den Athleten die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen. Singapur verfügt über beste Infrastrukturen, das aussergewöhnlich saubere Land und die bemerkenswert freundlichen Volunteers werden ihr Bestes geben, damit keine Wünsche offen bleiben.
Die Unterkunft, das Universitätsgelände der Singapore Nanyang Technological University (NTU), hat den Charakter eines kleinen idyllischen olympischen Dorfes. Die strengen Vorschriften in Bezug auf Werbung und Sponsorenauftritte entsprechen exakt den Vorgaben der Olympischen Spiele der Elite. Das ausgeklügelte Shuttlesystem wird klappen, wie wir es von den vorbildlichen SBB gewohnt sind.
Auch an der Verpflegung wird keine Wettkampfvorbereitung scheitern: Die Zuständigen in Singapur testen seit Monaten sämtliche Gerichte durch – wir konnten uns am Seminar von Kostproben überzeugen. Fazit: herrlich, ausreichend, ausgewogen, es wird an Nichts fehlen. Alles bestens.
Fast. Denn an den Youth Olympic Games soll – gemäss Aussagen von IOC-Vertretern – nicht der Sport im Zentrum stehen, sondern der kulturelle Austausch und die olympischen Werte. So erklären die Offiziellen vom IOC auch die äusserst knappe Quote von nur 35 Prozent Betreuer vor Ort (das ist ein Betreuer auf drei Athleten). Der Sport stehe ja nicht im Zentrum, deshalb brauche es ja auch nicht für jeden der (grösstenteils minderjährigen) Athleten einen Coach oder Betreuer vor Ort…

Seminarteilnehmerin mit den beiden Maskottchen Merly und Lyo
Um den kulturellen Austausch zu fördern und die olympischen Werte den Athleten weiterzugeben, hat das IOC das «Culture and Education Program» (CEP) ins Leben gerufen. Ein Angebot mit über 50 Aktivitäten, die parallel zu den Wettkämpfen stattfinden werden. Die Athleten sind aufgefordert, während ihres Aufenthalts von über zwei Wochen soviel wie möglich von diesem kulturellen Angebot zu profitieren. Die Aktivitäten reichen von «Chat with Champions» bis zu «Island Adventure» (Flossbau auf einer Insel vor Singapur) und decken alle Interessen ab. An der Vielfalt der Angebote wird es nicht liegen.
Wenn, dann wohl eher an der Forderung des IOC: Es verlangt von den jungen, leistungsorientierten Menschen, die seit Jahren alles dem grossen Ziel «Spitzensportler» unterordnen, dass sie während zwei Wochen ihren sportlichen Ehrgeiz in den Hintergrund stellen und sich mit Kultur, Natur und ethischen Werten beschäftigen. Und dies für einige Sportler mitten in ihrer Wettkampfsaison. Für Athleten, welche bereits im Juniorenalter auf hohem Niveau Wettkämpfe bestreiten, sind die YOG in dieser Form kaum in ihren Wettkampfkalender integrierbar.
Auf kritische Fragen seitens der Komitees ist das IOC am Seminar nicht eingegangen. Es bleibt abzuwarten, ob auch nach der Durchführung der YOG in Singapur an dieser Grundidee festgehalten wird, oder ob man sich Olympischen Spielen der Elite, wie wir sie heute kennen, annähren wird.
«Blazing the trail» lautet der Leitsatz vom OK – die ersten Youth Olympic Games werden den Weg für die weiteren Austragungen «markieren»! Wir sind gespannt.
Weitere Informationen: www.swissolympic.ch/desktopdefault.aspx/tabid-4025/
Offizielle Webseite des lokalen OK: http://www.singapore2010.sg/public/sg2010/en.html