Es kann und darf nicht sein, dass wir nicht mehr unbeschwert und unbesorgt mit unseren Kindern ein Fussball- oder Eishockeyspiel besuchen und geniessen können. Leider ist dies heute immer öfters der Fall. Aufgrund meiner früheren beruflichen Tätigkeiten als Staatsanwalt, Justiz- und Polizeidirektor des Kantons Basel und Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) einerseits und regelmässiger Besucher solcher Spiele anderseits liegt mir das Thema Sicherheit naturgemäss besonders am Herzen. Wir lassen uns unseren Sport nicht kaputt machen!

Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic
Etwas Grundsätzliches vorweg: Es stört mich, dass noch immer pauschal über «Gewalt im Sport» geredet und geschrieben wird. Bei Swiss Olympic sind 82 Sportverbände zusammengeschlossen. Sicherheitsprobleme und gewalttätige Ausschreitungen finden wir jedoch primär in zwei Sportarten, nämlich im Fussball und im Eishockey, und auch dort ist es nur eine vergleichsweise kleine Prozentzahl so genannter «Fans», welche uns die Freude am Besuch der Spiele vermiest. Der frühere Vorsteher des VBS, Bundesrat Samuel Schmid, hat deshalb die von dieser Problematik betroffenen Kreise am «Runden Tisch» zusammengerufen, um nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Sportminister Ueli Maurer hat diese Institution in verdankenswerter Weise fortgeführt.
Wir wollen endlich konkrete Lösungen sehen
Angesichts der Zeit, die seit der ersten Einberufung des «Runden Tisches» verstrichen ist und der Tatsache, dass uns allen das Problem wirklich unter den Nägeln brennt, verstehe ich, dass sich nicht nur bei mir eine gewisse Ungeduld breit gemacht hat. Wir wollen endlich konkrete Lösungen sehen. Auch wenn mangels abschliessender Entscheidungskompetenzen am «Runden Tisch» keine Beschlüsse gefasst werden können, hat es verschiedentlich zu lange gedauert, bis ein Konsens gefunden werden konnte. Dazu bedarf es indessen da und dort auch eines gewissen Umdenkens. Politikerinnen und Politiker sollten endlich begreifen, dass wir nur zu Lösungen kommen, wenn der Sport als gleichberechtigter Partner anerkannt und auch behandelt wird. Unabgesprochene und oft populistische Forderungen vor versammelter Presse bringen zwar ein paar zusätzliche Wählerstimmen, tragen aber letztlich nicht zur Lösung des Problems bei. Zudem muss sich auch die Einsicht durchsetzen, dass es nicht allgemein gültige Lösungen gibt. Auf regionale Unterschiede muss ebenso geachtet werden wie auf die Tatsache, dass unterschiedliche Sportarten nicht über einen Kamm geschert werden können. Partnerschaftliches Vorgehen bedeutet aber für die Sportverbände anderseits, dass man ab und zu dem Verhandlungspartner auch entgegenkommen muss. Es ist ein Geben und ein Nehmen.
Es braucht mehr als «e bitzeli» Repression
Es sind jedoch noch zwei weitere Tendenzen, die bei mir mehr als nur ein Stirnrunzeln verursachen. Ich unterstütze die Mittel der Repression hundertprozentig, wenn andere Massnahmen keinen Erfolg zeitigen. Aber in solchen Fällen sollte es dann nicht «e bitzeli» Repression mit dem Drohfinger geben, sondern konsequentes Durchgreifen, auch wenn man dabei ein paar so genannte Fans verärgert. Repression allein ist allerdings nicht das Allerweltsmittel. Ohne Prävention und ohne Vorbildfunktionen von Clubs und Spielern geht es ebenso wenig wie ohne geeignete Massnahmen, um einmal negativ aufgefallene Anhänger später wieder in die Sportgemeinde integrieren zu können. Warum nicht eine konsequent angewandte Viersäulenpolitik gegen Gewalt an Sportveranstaltungen?
Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es geht um eine Optimierung, denn mit den Zielen des «Runden Tisches» und dem bisher Erreichten können wir uns nach wie vor identifizieren. So auch mit den acht Massnahmen, welche die Sicherheitskommission von Swiss Olympic zur Umsetzung empfiehlt. Sie reichen von der Fanarbeit über Aus- und Weiterbildung im öffentlichen wie im privaten Sicherheitsbereich bis zum mittelfristigen Wechsel von Normalbier auf Leichtbier bei allen Spielen (plus Alkoholverbot im Gästesektor und bei Hochrisikospielen).
Gegenseitiges Anerkennen der Stadionverbote
Eine Massnahme, die auf Juli 2010 umgesetzt wird, ist das gegenseitige Anerkennen der Stadionverbote durch die Verbände des Fussballs und des Eishockeys, welches bis heute nicht so vorgesehen ist. Wir haben Bedenken bezüglich des Datenschutzes abgeklärt und werden mit Beginn der nächsten Fussballsaison diesen Meilenstein in der Bekämpfung von Gewalt bei Eishockey- und Fussballspielen umsetzen. Nur so können wir künftig verhindern, dass Personen, die in der einen Sportart gewalttätig aufgefallen sind und dafür mit einem Stadionverbot belegt wurden, in der anderen sich weiterhin ungehindert bewegen können.
Swiss Olympic muss und wird sich in Zukunft noch stärker für die Interessen seiner beiden Mitgliedverbände Fussball und Eishockey einsetzen. Es kann nicht sein, dass Vereine, die sämtliche zumutbaren Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ergreifen, finanziell zugrunde gerichtet werden, weil ihnen jeden zweiten Sonntag immense Sicherheitskosten für den Einsatz von Polizisten aus anderen Kantonen auferlegt werden. Seit Jahren ist öffentlich bekannt, dass die Sicherheitskräfte in der Schweiz unterdotiert sind. Diesbezügliche Ermahnungen und politische Vorstösse wurden von denselben Leuten belächelt und abgetan, welche heute die finanziellen Konsequenzen ihres damaligen Tuns auf die Verbände und Vereine abwälzen wollen. So nicht!
Jörg Schild
Präsident Swiss Olympic