11. Oktober 2010, hans.lichtsteiner

Sportpolitik: SportmanagerIn – Mythos oder Realität?

Braucht der Schweizer Sport speziell ausgebildete Sportmanagerinnen und Sportmanager? Diese Frage stand im Zentrum des diesjährigen Symposiums der Schweizer Vereinigung der Sportmanager (ASMS), das am 8. Oktober 2010 im Hallenstadion in Zürich stattfand. Die Frage konnte natürlich nicht abschliessend beantwortet werden, doch es gab viele Argumente, die für einen entsprechenden Berufsstand sprechen.

Die mehr als 30 000 Sport- oder sportnahen Organisationen in der Schweiz beschäftigen weit über 100 000 Angestellte. Nationale und internationale Verbände, Vereine, Medien, Sportartikelhersteller, Sponsoren und Tourismusregionen, aber auch Stellen des Bundes, der Kantone bis hin zu Gemeinden setzen sich täglich mit Fragen des Sports auseinander. Diese Organisationen müssen alle geführt werden. Dazu braucht es Personen, die über entsprechende Management-Qualitäten verfügen. Reichen dazu Manager mit normalen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, oder braucht es einen spezifischen Beruf, den des Sportmanagers?

Für Sportorganisationen gelten grundsätzlich alle Prinzipien und Regeln eines klassischen Managements. Wer über ein solides Management-Wissen verfügt, ist also bereits bestens auf eine Aufgabe im Sportsektor vorbereitet. Doch der Sport verfügt auch über bestimmte Eigenheiten, bei denen die klassische Betriebswirtschaftslehre an ihre Grenzen stösst und sich nur mit Anpassungen auf Sportorganisationen übertragen lässt. Basisdemokratische Elemente bei der Entscheidfindung, duale Führungsstrukturen, schwer quantifizierbare Ziele, freiwillige Mitarbeiter und Helfer, komplexe Finanzierungsstrukturen bis hin zu Kollektivleistungen stellen den Manager einer Sportorganisation vor besondere Herausforderungen.

Entsprechend braucht er Instrumente und Techniken, um mit den komplexen Entscheidungswegen, den fehlenden Marktmechanismen, der anspruchsvollen Erfolgsmessung und den nur bedingt unterstellten Freiwilligen professionell umzugehen. Nur wer diese Besonderheiten des Sports versteht und die Zusammenhänge kennt, kann eine Sportorganisation erfolgreich führen. Eine sportspezifische Ausbildung, welche gezielt auf diese Problemstellungen eingeht, macht insofern durchaus Sinn. Ob es jedoch gleich einen neuen Beruf als SportmanagerIn braucht, sei hier einmal dahingestellt.

Sicher ist, dass es in der Schweiz bereits sehr viele und insbesondere auch sehr erfolgreiche SportmanagerInnen gibt. Viele davon verfügen über eine sportspezifische Managementweiterbildung. Insofern sind professionelle SportmanagerInnen in der Schweiz kein Mythos, sondern schon lange Realität. Dies obwohl das Berufsbild des Sportmanagers in der Gesellschaft noch kaum verankert ist.

Hans Lichtsteiner ist Direktor Weiterbildung und Dozent am Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg.
Das VMI führt zusammen mit Swiss Olympic, der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) und dem Institut de hautes études en administration publique (IDHEAP) das Swiss Sport Management Center (SSMC), welches eine optimal auf Sportorganisationen ausgerichtete Managementausbildung anbietet.

Weiterer Artikel über das ASMS-Symposium im Tages-Anzeiger.

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Kategorien: Verschiedenes

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