Dieses Wochenende, vom 4. bis 11. Dezember, finden in Champéry die Curling-Europameisterschaften statt. Dabei werden in der A-Gruppe je 10 Teams um den Europatitel spielen - sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern ist ein Schweizer Team dabei. Ich selber habe meinen Einstieg in das internationale Spitzencurling auch mit einer Heim-EM begonnen. Damals konnten wir aber noch nicht um die Medaillen mitspielen.
Wenn ich jetzt nach meinem Rücktritt aus dem Spitzensport einen Rückblick über die letzten Jahre ziehe, ist für mich auffällig, wie gewaltig sich Curling vom Traditionssport zum Spitzensport gewandelt hat. Nicht nur die Spieltechnik hat eine grosse Wandlung hinter sich, sondern auch die Materialentwicklung und die Athletik der Wischer hat enorme Fortschritte gemacht. Als aktiver Spieler und zugleich Verantwortlicher des Nachwuchses bei SWISSCURLING war es für mich immer ein grosses Anliegen, Trends in der Entwicklung früh zu erkennen und auf beiden Ebenen einfliessen zu lassen.
Ich bin stolz auf die Nachwuchsstruktur, die wir über die letzten Jahre in unserem Verband aufgebaut haben. Es gibt Platz für die Breite und der Weg an die Spitze ist klar definiert. Der grösste Schritt war sicherlich die Anpassung der Kaderselektionen: Von der Teamförderung zur Einzelförderung - ein Schritt, der auch auf Widerstand gestossen ist. Ich bin jedoch auch hier überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nur wer bereits im Nachwuchsbereich ständig gefordert ist, findet den Weg an die Weltspitze. Wie man immer wieder hört: Fordern, aber nicht überfordern, das ist der rote Faden in der Nachwuchsausbildung.

Der Nachwuchs macht es bei uns im Verband vor, in welche Richtung sich auch der Spitzensport der Elite entwickeln muss. Einige Teams haben leider den letzten Entwicklungsschritt verpasst. Es braucht Anpassungen in der Förderstruktur, um nicht von «kleinen» Curlingnationen überholt zu werden. Ganz im Sinne von: «Sotschi 2014, wir sind mal unterwegs. 2018, wir kommen!»
Ralph Stöckli ist Nachwuchs-Verantwortlicher und Nachwuchs-Nationaltrainer von SWISSCURLING und einer der besten Curler der Schweizer Geschichte. Stöckli gewann in Vancouver 2010 als Skip des Schweizer Curling-Teams die Bronzemedaille. 2006 wurde er ausserdem Europameister, 2003 Vize-Weltmeister und er ist vierfacher Schweizermeister. Nach Vancouver 2010 gab er seinen Rücktritt vom Spitzensport bekannt. Am 1. Januar wird er seine neue Stelle als Verbandsmanager bei Swiss Olympic antreten.