Eines vorneweg: Mir ist der Start in den Weltcup im hohen Norden gut gelungen – mit den Resultaten bin ich sehr zufrieden. Der Podestplatz in Kuusamo zum Auftakt war mir sehr wichtig, so konnte ich mich mental bereits in eine sehr komfortable Situation bringen.
Saisonvorbereitung
Sowohl Sommersaison als auch Wintervorbereitung habe ich trotz der Rückenprobleme sehr effizient genutzt. Viele der für mich relevanten Werte konnte ich vor der Saison in diversen Tests und Trainings mit guten Resultaten abschliessen. So reiste ich mit einem guten Gefühl zum Weltcupauftakt nach Kuusamo. Doch sicher war ich mir natürlich nicht. Einerseits sprang ich mit neuen Ski, und musste damit Länge und Schliff wieder neu bestimmen. Andererseits fährt es sich auf Schnee doch etwas anders als auf der Keramikspur. Es ist mir aber sehr gut gelungen, alle diese Komponenten in kürzester Zeit zu justieren.

Kuusamo
Das Teamspringen vom Samstag war eine gute Möglichkeit, den Wettkampfrhythmus zu erproben. Der neunte Rang war aber sicher nicht unser Traumresultat und ein zweiter Durchgang wäre für alle von uns gut gewesen. Jeder Springer in unserem Team hat noch individuelle Defizite, die wir ausmerzen müssen. Das Ziel, mit der Mannschaft in Oslo gemeinsam Erfolg zu haben, ist mir wichtig.
Nach der langen Zeit des Wartens im Sommer nun wieder in Aktion treten zu dürfen, war für mich fast wie eine Befreiung. Genau so war auch der erste Durchgang des Einzelspringens am Sonntag. Auf einmal war die Power wieder da, der Absprung effizient und der Flug entsprechend gut. Das Ziel vor Augen, den ersten Wettkampf auf dem Podest abzuschliessen, ging ich den zweiten Durchgang entschlossen an. Der Absprung war aus meiner Sicht eher mässig, doch mit dem Flug konnte ich einiges gutmachen und landete auf dem dritten Platz.
Kuopio
Die klirrende Kälte in Kuusamo hat mich doch mehr Energie gekostet, als ich zuerst dachte. In den Tagen vor dem Wettkampf in Kuopio war der Muskelkater ein treuer Begleiter – und das am Anfang der Saison… Das Training war dann auch entsprechend schlecht. Nach zwei Trainingssprüngen liess ich die Qualifikation aus. Das Kräftesparen sollte sich lohnen.
Am Wettkampftag fühlte ich mich wieder besser und mit der guten Erinnerung, im März des letzten Jahres in Kuopio gewonnen zu haben, ging ich an den Start. Im Training wiederum früh gelandet, legte ich im ersten Durchgang los wie die Feuerwehr. Hocherfreut über die zwischenzeitliche Führung ging ich mit Entschlossenheit den zweiten Sprung an. Trotz einem nicht optimalen Absprung gelang mir ein guter Flug auf 128 Meter. Da ich Abzüge für die guten Windbedingungen in Kauf nehmen musste, platzierte ich mich auf dem dritten Rang. InAnbetracht meiner muskulären Probleme bin ich sehr zufrieden mit diesem Resultat. Es stärkt mein Selbstvertrauen und sobald ich mich körperlich besser fühle, werde ich die Konkurrenz noch mehr unter Druck setzen können.

Wahl zum Sportler des Jahres
In den letzten Tagen wurde ich immer wieder auf die Wahl zum Sportler des Jahres 2010 angesprochen. Für mich sind Roger Federer, Carlo Janka und Dario Cologna die Favoriten. Wenn ich einen der drei wählen müsste, würde ich Dario Cologna meine Stimme geben. Ihn durfte ich schon näher kennenlernen, seine Art ist mir sehr sympathisch. Zudem schätze ich den ersten Schweizer Olympiasieg im Langlauf höher ein als Siege in Wettkämpfen, die schon von anderen Landsleuten gewonnen wurden.
Für mich hinkt der Vergleich zwischen den verschiedenen Sportarten sowieso etwas. Weder würde ich gegen Roger im Tennis gewinnen, noch gegen Carlo Janka den Riesenslalom gewinnen, nicht zu sprechen von 15 Kilometern Langlaufen. Wer ist also wirklich der beste Sportler? Für mich bleiben die Wahlen eine spannende Sache, da jeder Schweizer frei abstimmen kann. So ist unser Land und wir dürfen stolz darauf sein!
Simon Ammann (29) ist Doppel-Doppel-Olympiasieger sowie amtierender Skiflug-Weltmeister und Gesamt-Weltcup-Gewinner.