Zwei sehr interessante und intensive Wochen Olympia liegen hinter mir. Meine Nerven wurden wieder einmal auf den Prüfstand gestellt und grosse Emotionen wurden geweckt. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz durfte ich von verschiedenster Seite vernehmen, dass es zu Hause in der warmen Stube nicht anders war. Es ist schon immer wieder speziell, was solche Spiele auslösen können – das ist eben auch Olympia!

Simi war natürlich der absolute Hero in Vancouver. Unfassbar, welche Nervenstärke und welche Reife er an den Tag gelegt hat. Leistungsmässig immer noch top (oder eben noch topper!) wie vor 8 Jahren und mit einer grossen Persönlichkeitsentwicklung seit damals hat er uns Schweizer mit grossem Nationalstolz verwöhnt.
Auch im Langlauf verblüffte uns ein Ausnahmeathlet. Dass er es drauf hat, ist uns Insidern schon längst bekannt, aber dass er es dann beim ersten Rennen schon „gerupft“ hat war schon dicke Post. Ich muss es mir immer wieder vergegenwärtigen: Das Unfassbare ist Wirklichkeit geworden und seit zwei Wochen haben wir einen Olympiasieger im Langlauf! Wer hätte das damals vor 8 Jahren gedacht. Damals als die Schweizer nichts als Mittelläufer waren im Langlauf. Einfach unglaublich, was Dario Cologna und das ganze Schweizer Team in Kanada geleistet haben. Dank seiner Goldmedaille wird er das Unglück im abschliessenden 50er schnell vergessen können.
Die Sprache hat es mir verschlagen. Ich denke nicht nur mir hinter dem Mikrofon. Als Dario den Olymp erreichte, wie auch bei seinem unglücklichen Ausrutscher in der Zielkurve. So nahe kann Sieg und Niederlage sein und so identisch sind die dabei freiwerdenden Emotionen. Die Goldmedaille ist Dario und dem Schweizer Langlaufsport aber nicht mehr zu nehmen und diesem Vorzeigeathleten gebührt grösster Respekt.
Die Emotionen in der Kommentatorenkabine waren bei einem anderen Vorkommnis jedoch fast noch grösser. 5 Minuten nach dem Start der Doppelverfolgung, als wir über eine Million Zuschauer auf dem Sender hatten, mussten wir nämlich kurz zum Live-Moderator an die Sprungschanze 300m weiter vorne zurückgeben. Eigentlich kein Problem, denn die ganze Schweiz wollte hören, was Simi nach seinem Meisterflug zu sagen hatte. Da Simi aber noch nicht bereit war passierte das für uns nicht nachvollziehbare und man unterbrach das gerade hoch spannende Rennen mit Schweizer Doppelführung wegen einem Studiogespräch. Die Kopfhörer flogen durch die Kabine und die Norweger daneben werden sich wohl gefragt haben, ob einem von uns gerade das Fell über den Rücken gezogen wurde.
Das ist auch Olympia. Es läuft unglaublich viel hinter den Kulissen ab und viele Heinzelmännchen arbeiten unermüdlich, damit das olympische Feuer in die warmen Stuben über alle Zeitzonen der Welt hinweg gebracht werden kann.
Olympia bedeutet auch immer wieder eine nahmhafte und prominente Ansammlung von Persönlichkeiten, welche (mehr oder weniger) wichtig sind im Sport. Es ist ein grosses Sehen und Gesehen werden und wie vielfach bei solchen Anlässen geht es nicht unbedingt immer um die Sache. Aber eben, auch ich musste lernen, dass im Sport eine gehörige Portion Politik betrieben wird.
Wegen meinen täglichen Einsätzen (insgesamt 22 Rennen) habe ich die restlichen Bewerbe nur am Fernsehen miterlebt. Der olympische Funken ist aber gesprungen und trotz Wetterkapriolen und launischen Frühjahrsbedingungen waren es für mich sehr schöne Spiele– e viva Simi, e viva Cologna!!