7. September 2011, thomas.litscher

Mit «guten Beinen» zu WM-Gold

Der 22-jährige St. Galler Thomas Litscher gehört seit mehreren Jahren zu den besten Nachwuchs-Mountainbikern. Am 2. September 2011 holte der gelernte Kaufmann in Champéry (VS) den U23-Weltmeistertitel im Cross Country und erzählt hier im Olympiablog von seinem Traumrennen an der Heim-WM.


Alle Fotos: radsportphoto.net/Steffen Müssiggang

Um mich ideal auf die Mountainbike-Weltmeisterschaften vorzubereiten, reiste ich schon sechs Tage vor dem U23-Rennen nach Champéry. Ich investierte meine Zeit gut und konnte das Training auf der Strecke nutzen. Der Kurs in Champéry ist mit seinen vielen technischen Passagen sehr anspruchsvoll. Mit jeder Runde, die man darauf absolviert, kommt man besser klar. Bis einen Tag vor dem Team Relay, also dem Staffelrennen, trainierte ich noch intensiv auf der Strecke und hatte sie am Ende insgesamt gut im Griff.

Im Team Relay etwas verkrampft

In den Stunden vor dem Team Relay war ich ziemlich nervös: Bei diesem Event geht es schliesslich immer um das ganze Team und man muss eine Runde einfach Vollgas durchziehen. Als Startfahrer ging ich als erster auf die Runde. Es lief mir recht gut und ich konnte mich direkt an die Spitze setzen, jedoch verkrampfte ich mich ein wenig und konnte daher nicht ans Limit gehen.

Ich übergab völlig erschöpft an unseren Junioren Lars Forster. Nathalie Schneitter und Nino Schurter, die dann am Samstag im Cross Country der Elite Fünfte und Zweiter wurden, bestritten die letzten zwei Runden. Wir alle zeigten eine solide Leistung, konnten aber das Team aus Frankreich nicht besiegen. Wir ergatterten uns vor Italien WM-Silber.

Reiswaffeln mit Honig und Banane am Wettkampftag

Um mich für mein U23-Rennen zu erholen, hatte ich nach dem Staffelwettkampf noch einen Tag Zeit. Ausser einer kurzen Ausfahrt auf der Strasse war dieser Tag ziemlich langweilig: Ich verbrachte die meiste Zeit in meinem Zimmer. Dazwischen genoss ich auch noch eine Massage von Bruno Diethelm, meinem Trainer. Diese verhalf mir wieder zur vollen Power.

An meinem Renntag startete ich um acht Uhr mit einem gemütlichen Frühstück. Da der Start erst um 17 Uhr war, hatte ich viel Zeit zu vertrödeln. Vor meiner zweiten Mahlzeit setzte ich mich nochmals kurz aufs Bike, um meine Beine zu lockern und meinen Kreislauf ein bisschen in Schwung zu bringen. Nach feinen Reiswaffeln mit Honig und Banane packte ich meinen Rucksack und machte mich schliesslich auf den Weg Richtung Renngelände.

45 Minuten vor dem Start begann ich mit dem Warm-up. Ich war sehr konzentriert und merkte, dass meine Beine gut waren. Aber trotzdem wurde ich zwei Minuten vor dem Start auf einmal unglaublich nervös. Ich stand auf der Startlinie und hoffte nur noch, dass ich mich bald würde ins Geschehen werfen können.

Ein traumhaftes Rennen

«Päääm!!!», ertönte es und das Rennen ging los. Ich startete gut und setzte mich sogleich an die Spitze. Bis in den Aufstieg war ich noch nicht gezwungen, Vollgas zu geben. An der Rampe schlug ich ein hohes Tempo an, sodass ich als Erster in den Downhill gehen konnte. Alles klappte und ich hatte unten schon einen Vorsprung von fünf Sekunden auf meinen Verfolger herausgefahren.

Ich wartete in der Folge etwas ab und liess meinen Verfolger wieder herankommen. In der nächsten Runde merkte ich, dass dieser in den technischen Passagen einige Zeit verlor, und so konnte ich mich wieder alleine absetzen.

Ich fuhr einen hohen und konstanten Rhythmus über die ganze Renndauer hinweg. Stets konnte ich meine Konzentration hoch halten. Mit meinem felt «fully» – so nennt man vorne und hinten gefederte Bikes – flog ich fast über die Wurzeln und konnte meinen Vorsprung Runde für Runde ausbauen. Am Schluss ging ich mit über einer Minute und 40 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie und wurde U23-Weltmeister.

Ich war nach dem Rennen sehr erleichtert und unglaublich happy. Ich konnte meinen WM-Titel so richtig geniessen. Es war ein traumhaftes Rennen.

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Kategorien: Athleten

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