14. Juli 2010, hansruedi.mueller

Sportpolitik: Leichtathletik-EM 2014 - eine kleine Erfolgsstory

Übernächste Woche startet im ehemaligen Olympiastadion Estadi Olímpic Lluís Companys die Leichtathletik-EM 2010 in Barcelona. Vier Jahre später wird sich die europäische Leichtathletik-Elite im Zürcher Letzigrund die Ehre geben. Swiss Athletics Präsident Hansruedi Müller erklärt, welche Bedeutung die Austragung dieses Grossanlasses für Zürich und die Schweiz hat.

Am 1. Mai 2010 vergab European Athletics ihr Filetstück unter den leichtathletischen Events, nämlich die nur alle vier Jahre stattfindenden Europameisterschaften, an Swiss Athletics und an die Stadt Zürich. Der Entscheid war einstimmig und ohne Vorbehalte. Das war die Krönung einer langen, intensiven, aber taktisch klugen Kandidatur, die von Patrick K. Magyar und seinem Weltklasse-Team umsichtig geleitet und von der Stadt und dem Kanton Zürich tatkräftig unterstützt wurde.

 

Als man sich 2007 ernsthaft mit einer möglichen Kandidatur befasste, waren vier weitere Länder wie Holland, Finnland oder Deutschland an der Leichtathletik-EM 2014 interessiert. Die frühe Ankündigung, dass die Schweiz mit («Weltklasse») Zürich kandidiert, hat dazu geführt, dass sich  alle anderen Kandidaten die Erfolgschancen einer Kandidatur überlegen mussten. Am Schluss stand Zürich alleine da, jedoch mit einem sehr detaillierten Dossier, das zu überzeugen vermochte.

Zuvor waren noch vier Abstimmungen zu gewinnen: Am 19.10.2009 stimmte das Kantonsparlament von Zürich mit 134 Ja-, 6 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen der Defizitgarantie von 5 Millionen Franken zu. Und das Stadtparlament stimmte mit 113 ja, 0 nein und nur gerade 1 Enthaltung zu. Und auch die Delegiertenversammlung von Swiss Athletics stimmte mit 258 ja einstimmig dem Vorhaben zu. Bereits zuvor sprachen sich der Verein für Grossveranstaltungen des LCZ (VFG) sowie der LCZ selbst für Kredite von einer Million respektive 300 000 Franken aus, die eine Kandidatur überhaupt ermöglichten.

Diese klaren Entscheide machen deutlich, dass nicht nur hervorragende Vorbereitungsarbeit geleistet wurde, sondern auch, dass diese Sportgrossveranstaltung hervorragend zur Schweiz respektive zur Region Zürich passt: Sie wird nach der EURO 2008 und der Ski-WM 2003 in St.Moritz zusammen mit der Eishockey-WM 2009 der drittgrösste Sportevent der Schweiz sein.

Zu Recht verspricht man sich durch die rund 1500 Athleten aus 50 Ländern, die rund 2000 Medienschaffenden und die 25'000 Zuschauer während sechs Tagen nicht nur gewisse Bekanntheits- und Imagewirkungen, sondern auch grosse ökonomische Effekte.

Zudem erhofft sich die gesamte Sportszene der Schweiz, insbesondere die Schweizer Leichtathletik, einen Aufschwung. Swiss Athletics hat denn auch bereits 2008 das Projekt «Swiss Starters 2014» lanciert mit dem Ziel, an der Heim-EM mit mindestens 30 hoffnungsvollen Athleten vertreten zu sein. Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass mit Hilfe des Hebels eines Grossevents eine Szene oder mindestens eine Sportart spürbar belebt werden kann – von den Ehemaligen bis zu den Jugendlichen, vorausgesetzt, die Chance wird clever genutzt.

Hansruedi Müller ist Präsident von Swiss Athletics und Leiter des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus (FIF) der Universität Bern.
In der Rubrik Sportpolitik lassen wir Persönlichkeiten aus der Welt des Sports zu Wort kommen.

 

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