18. März 2010, philipp furrer

Im Gespräch mit Erich Hanselmann

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Erich Hanselmann, Chef de Mission Vancouver 2010, blickt im Interview nochmals auf die Olympischen Spiele 2010 zurück und erzählt, was ihn zum Nachdenken brachte, welche Leistungen ihn am meisten beeindruckten und wie es für ihn jetzt weiter geht.

 

Erich Hanselmann, wie haben Sie «Vancouver 2010» in der Rolle als Chef de Mission erlebt?

Einerseits war ich ja an der olympischen Entwicklung im Schweizer Sport bereits in verschiedenen Rollen beteiligt, und auch schon an mehreren Olympischen Spielen in verschiedenen Funktionen dabei. Ich hatte also eine Vorstellung davon, was mich etwa erwartet. Andererseits war es eine grosse Herausforderung, bei der nur hundertprozentige Leistung genügt. Ich habe versucht, diese Aufgabe mit vollem Engagement zu erfüllen. Wir konnten in dieser kurzen Zeit vieles aufbauen und erreichen, was mir viel Freude bereitet hat.

Sie wussten schon bei Ihrer Einstellung, dass diese Aufgabe nach den Spielen in Vancouver zu Ende ist. Wie sind Sie damit umgegangen?


Mir war von Anfang an klar, dass es einen Nachfolger «Leiter Spitzensport und olympische Missionen» geben wird. Es war aber damals noch nicht bekannt, wann genau er bestimmt sein wird. Zu Beginn ging es für mich also darum, den Luxusdampfer Vancouver in Fahrt zu halten. Als dann Gian Gilli  bestimmt war, bemühte ich mich, ihm sofort einen angemessenen Platz in der Missionsleitung Vancouver zu geben. Wir kamen gemeinsam auf die Lösung mit der Aufgabenteilung zwischen Chef de Mission und Head Coach, was sich sehr bewährt hat.

Zu Ihren Aufgaben in Vancouver gehörte es unter anderem, Gian Gilli und den Trainern den Rücken für den Sport freizuhalten. Was bedeutete das für Sie?

Als Chef de Mission bin ich mit der Aufgabe angetreten, die Athleten erfolgreich ans Ziel zu führen. Durch den Einsatz von Gian Gilli als Head Coach veränderte sich meine Rolle. Der Head Coach war für die Führung der Teams und der Teamchefs zuständig. Er konnte sein Herzblut für den Sport voll einbringen und das hat dem Team sehr gut getan. Ich meinerseits konnte während den Spielen den Teams viel Wertschätzung geben und den Athleten zeigen, dass wir für sie da sind. Mit Gian Gilli funktionierte diese Aufteilung super. Ich habe dabei auch viele Geschichten miterlebt von Athleten, die alles gegeben haben, und nicht erfolgreich waren. Das hat mich auch nachdenklich gestimmt.

Welche Leistungen haben Sie persönlich in Vancouver am meisten beeindruckt?

Wenn ich alles zusammenzähle, dann ist für mich die Skifahrerin Fabienne Suter eine Medaillengewinnerin. Sie fuhr auf den 4., 5. und 6. Platz, jeweils knapp neben dem Podest vorbei. Ein vierter Platz zählt in den Medien nichts. Der Tanz um die Medaillen ist gewaltig, das hätte ich nicht so stark erwartet.

Wie meinen Sie das?

Die Siegerehrungen wurden jeweils als riesige Show inszeniert, was eigentlich ja super ist. Aber auf dem Podest hat es nur Platz für drei, von den anderen spricht niemand. Das war für mich ein wenig ernüchternd. Klar, einen Olympiasieg muss man honorieren. Aber von unseren 146 Schweizer Athletinnen und Athleten waren 73 in den ersten 8 Rängen und 90 in den ersten 10 (mit den Hockeymannschaften). Das ist eine super Leistung, gerade für ein so kleines Land wie die Schweiz.

In Vancouver wurde zum ersten Mal die «Zwei-Tage-Regelung» angewandt. Athleten und Athletinnen mussten am dritten Tag  nach ihren Wettkämpfen das Olympic Village verlassen. Hat sich diese Regel bewährt?

Aus meiner Sicht hat das Ruhe und Klarheit geschaffen. Das olympische Dorf ist ein Vorbereitungscamp für die Wettkämpfe und nicht ein Hotel für ausgelassene Feiern. Die Regelung dient ja vor allem auch zum Schutz der Athleten, die noch vor ihrem Einsatz stehen. Sie darf aber nicht stur angewendet werden, es braucht eine gewisse Flexibilität. Beispielsweise dann, wenn in einer Disziplin bereits ausgeschiedene Kollegen wichtiger Bestandteil des Umfelds eines Athleten, der sich für den Final qualifiziert hat, sind. Dem muss man Beachtung  schenken.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Mein Motto war: «Servir et partir!» Ich habe versucht, meinen Beitrag zu leisten und bin froh, dass wir in Vancouver so erfolgreich waren. Die Aufgabe bei Swiss Olympic ist abgeschlossen, und jetzt beginnen  für mich die Vorbereitungen für die Universiade (Januar 2011), wo ich wiederum als Chef de Mission tätig sein werde. Diese Verpflichtung bin ich übrigens bereits vor dem befristeten Wechsel zu Swiss Olympic eingegangen. Die Universiade ist kleiner als Olympische Spiele, aber es ist immer schön, mit jungen Menschen zu arbeiten. Ich freue mich darauf.

 

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