17. Juli 2012, ralph.naef

Final Countdown


Ralph Näf im Engadin (Fotos: zvg)

Momentan befinde ich mich im Höhentrainingslager im schönen Engadin. Die Bedingungen sind super, hier oben kann ich in Topform kommen für «London 2012». Es bedeutet mir sehr viel, dass ich nochmals an Olympischen Spielen teilnehmen kann, nachdem ich 2008 in Peking als Ersatzfahrer nicht zum Einsatz kam. Ich bin froh, dass sich meine harte Vorbereitung im Winter und Frühjahr ausgezahlt hat. Nach dem sechsten Platz 2004 in Athen will ich in London eine Medaille.

Im Sporthotel Pontresina, wo ich früher schon oft weilte, finde ich als Biker das perfekte Setup für meine Olympia-Vorbereitungen. Und mit dem Hotelier Alexander Pampel habe ich sogar noch einen starken Partner für Bike-Touren – das ist also ein nettes Supplement für einen Stammgast.

Die ersten Tage in der Höhe sind wegen der dünnen Luft immer hart. Der Puls ist höher als normal und jede Intensität fühlt sich an, als ob man gleich ersticken würde. Allmählich gewöhne ich mich aber daran und kann meine Trainings nun härter gestalten. Das ist wichtig, denn schliesslich ist die Luft auch an der Spitze dünn …

Mit Hotelier Alexander Pampel / Ralph Näfs Kaffeemaschine

07:00 Aufstehen mit Kaffee aus der eigenen Maschine


Wie immer habe ich meine eigene Kaffeemaschine mit meinem Kaffee dabei. Wenn ich also morgens um 7:00 Uhr aufstehe, starte ich den Tag mal mit einem Cappuccino oder Espresso auf dem Zimmer.

07:15 Joggen

Ohne den Morgenkaffee würde ich es nicht schaffen, vor dem Frühstück eine Runde auf dem Vitaparcours in Pontresina zu laufen.

08:00 Morgenessen

Schon während des Joggens freue ich mich auf das reichhaltige Frühstücksbuffet im Hotel. Bis zu den Olympischen Spielen muss ich zwar auf die Croissants verzichten, aber sonst esse ich eigentlich alles.

09:30 Start zum ersten Training

Mein erstes Radtraining beginnt in der Regel um 9:30 Uhr. Steht auf dem Plan «Grundlage», so fahre ich lange Runden auf dem Rennrad. Bei intensiven Einheiten hingegen – Intervall- oder Krafttraining – nehme ich immer mein «Merida Big Nine»-Mountainbike. Dann fahre ich zum Beispiel über den Suvrettapass, der bei Bikern sehr beliebt ist, und mache im Aufstieg von Bever noch einige Intervalle. Momentan sind sehr viele Biker hier oben im Engadin, sodass ich fast nie alleine trainieren muss. Meistens begleitet mich mein holländischer Teamkollege Rudi van Houts.

In London wird natürlich alles ein bisschen anders sein als im Engadin. Der Olympia-Kurs ist zu 100 Prozent künstlich gebaut. Daher sind die Aufstiege eher kurz und auch die Downhills nicht so lang. Es wird ein schnelles, taktisches Rennen geben. Das ist sicher gut für mich, der Kurs gefällt mir. 

14:00 Mittagessen auf der Hotelterrasse

Zum Mittagessen bin ich meistens wieder im Sporthotel. Dann sitze ich auf der Terrasse und fülle meine Kohlenhydratspeicher auf.

14:45 Mittagsschlaf

15:15 Espresso auf dem Zimmer und Tour de France im TV

Nach einem kurzen Nickerchen trinke ich meinen zweiten Kaffee und schaue mir die Tour de France im Fernsehen an. Es ist schon extrem, was die Jungs auf der Strasse jeden Tag leisten. Zum Glück dauern meine Rennen nur eineinhalb Stunden und sind nach einem Tag vorbei – die Quälerei über mehrere Wochen wäre nichts für mich. 

17:30 Eine Stunde locker Rollen

Schliesslich steht nach den erholsamen Stunden auf dem Zimmer vor dem Abendessen meist noch eine lockere Trainingseinheit an. Je nachdem, was ich am Morgen gemacht habe, steige ich entweder aufs Bike oder aufs Rennvelo. Ich muss einfach noch eine Stunde lang die Beine drehen.

19:00 Abendessen

Etwa um 19:00 Uhr darf ich zum Abendessen. Jetzt kann ich nochmals die Speicher füllen, damit ich auch am kommenden Tag fit bin fürs Training.

20:30 Dehnen, Emails checken oder fernsehen

Nach dem Essen habe ich noch etwas Zeit, um Emails zu checken oder fernzusehen. Meistens dehne ich auch noch meine geschundene Muskulatur, bevor ich mich schlafenlege und mich schon wieder auf den Morgenkaffee aus meiner eigenen Maschine freue.

22:00 Schlafen


Hier gibt's noch das Video von der Kleiderabgabe mit Ralph Näf.

In der Serie «Road to London» begleiten wir fünf Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg an die Olympischen Spiele in London.

Weitere Beiträge von Ralph Näf

Ebenfalls in der Serie «Road to London»:

Flavio Marazzi & Enrico De Maria

Irene Pusterla

Nicola Spirig

Stanislas Wawrinka

Print this

Kommentare

Powered by BlogEngine.NET
Design von Philipp Furrer, Barbara Kohler und Andy Müller

Monatsliste