29. April 2011, swiss.olympic

Es war einmal Olympia… Drei Titel, zwei US-Teams und ein Chaos

Heute Freitag entern die internationalen Eishelden zum ersten Mal die Rinks der 75. Eishockey-Weltmeisterschaften, welche in der Slowakei ausgetragen werden. Sie kämpfen um den Weltmeistertitel. Die Schweiz tritt heute in ihrem ersten Spiel gegen Frankreich an.

Der englische Torhüter wehrt am 1. Februar 1948 im Eishockey-Finalrundenspiel zwischen Kanada
und England an der Winterolympiade 1948 in St. Moritz, Schweiz, einen Schuss ab. (Bild: KEYSTONE)


Die Weltmeisterschaften in der Slowakei haben selbstverständlich mit den Olympischen Spielen nichts zu tun. Es sind voneinander unabhängige Wettkämpfe. Früher war dies noch etwas anders: 1948 nämlich fanden die 15. Eishockey-Weltmeisterschaften an den Olympischen Spielen in St. Moritz statt. Neben dem Weltmeister- und dem Olympiatitel wurde auch noch der 26. Europameistertitel an diesem Turnier vergeben. Theoretisch konnte also ein Team mit einem Sieg gleich drei Goldmedaillen mit nach Hause nehmen.

Das olympische Hockeyturnier in St. Moritz hatte es auch sonst in sich. Auch ohne Helmpflicht «rauchten» nämlich einige Köpfe. Der Grund: die Amerikaner erschienen mit zwei Teams in der Schweiz!

Wie es dazu kam? 1946 spaltete sich das US-Eishockey in die Amateur Hockey Association (AHA) und in die Amateur Athletic Union (AAU). Die Internationale Eishockey-Föderation anerkannte nur die AHA, das Nationale Olympische Komitee der USA (AOC) anerkannte nur die AAU. Zufälligerweise war der Präsident des AOC vor diesem Amt auch der Chef der AAU… Das Chaos neben dem Eis war damit perfekt: Das IOC unterstützte anfänglich die AAU, entschied dann aber an der 42. IOC-Session, gar kein US-Team zuzulassen.

Dieser Entscheid des IOC beeindruckte wiederum den Veranstalteter der Spiele, das Schweizerische Olympische Komitee (SOC), wenig und sie akkreditierten das AHA-Team. Daraufhin erklärte das IOC das Eishockeyturnier als nicht-olympisch, worauf wiederum das SOC vorschlug, die Resultate des AHA-Teams nach Turnierende zu streichen, aber nur für die Olympiawertung. Der gut schweizerische Kompromiss wurde von allen Seiten akzeptiert.

Kanada wurde Olympiasieger und Weltmeister (wegen dem besseren Torverhältnis von +64 gegen +62), die Tschechoslowakei wurde Olympiazweiter und Europameister, die Schweiz Olympiadritter und Vizeeuropameister, die USA wurden Vierte in der Weltmeisterschaftswertung und für die Olympiawertung disqualifiziert. Schweden profitierte von der US-Olympia-Disqualifikation und wurde Olympiavierter, aber nur Fünfter in der Weltmeisterschaftswertung. Noch Fragen?

Wer jetzt noch einen kühlen Kopf hat, darf hier noch ein paar weitere, weniger komplizierte Highlights dieses Hockeyturniers lesen:

  • Das Turnier wurde im Ligamodus ausgetragen. Dies hatte zur Folge, dass mit den neun Mannschaften insgesamt 36 Spiele ausgetragen werden mussten.
  • Da Profis damals an Olympischen Spielen noch verboten waren und in Kanada das Eishockey schon stark professionalisiert war, schickten die Kanadier eine Auswahl der Royal Canadian Air Force als Hockeyteam nach St. Moritz.
  • Mit 31:1 gegen Italien erzielten die USA das höchste Ergebnis des Turniers.
  • Zwei Spiele von Grossbritannien wurden von nur zehn (10!) zahlenden Zuschauer verfolgt – zum Glück wird an den Olympischen Spielen 2012 in London kein Eishockey gespielt…
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