Die Vorbereitungsphase geht langsam aber sicher zu Ende, das Auftaktturnier in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia und damit auch der Start in die Qualifikationsphase für London 2012 steht kurz bevor. Immer eine spezielle Zeit im Jahr, in der das Kribbeln, die Spannung und die Vorfreude auf den Saisonstart gross sind.
Die Vorbereitung ist hart und gespickt mit akribischer und perfektionistischer Arbeit, die nicht immer leicht ist und mich manchmal fast zur Verzweiflung treibt. Zudem ist auch die physische Arbeit im Winter hart. Dennoch ist diese Phase ungemein wichtig und sie hat meiner Spielpartnerin Simone Kuhn und mir in den beiden ersten gemeinsamen Jahren jeweils die Basis für eine erfolgreiche Turniersaison gelegt. Wir hatten bisher das Glück, für die harte Winterarbeit jeweils im Sommer mit schönen Erfolgen belohnt zu werden.

Bild: Keystone
Unsere Vorbereitung startet jeweils im Beachcenter Bern, wo wir in der Beachhalle fleissig an unserer Technik feilen können. Zudem schlaucht uns unser Athletiktrainer Bruno Knutti in Halle und Kraftraum. Für uns ist die Vorbereitungsphase eine wertvolle Zeit, auf die wir uns immer freuen: Es sind die einzigen Monate im Jahr, in welchen wir mal längere Zeit zu Hause verbringen und einen geregelten Alltag führen können. Und wir können unser Umfeld pflegen, welches im Sommer eindeutig etwas zu kurz kommt.
Geduldsprobe wegen Pfeifferschem Drüsenfieber
In diesem Jahr war der Vorbereitungsstart allerdings schwierig, da ich im Herbst 2010 am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt war und sich die Beschwerden bis in den Jahresbeginn 2011 hinzogen. Ich war gezwungen, die Vorbereitung zu verkürzen, vertrieb mir die Zeit ungewöhnlich oft zu Hause und musste einmal mehr feststellen, dass Geduld nicht eine meiner grössten Stärken ist und dies wohl auch nie werden wird... ;-) Auch für meine Teampartnerin Simone war die Zeit nicht einfach, sie musste viele Trainingseinheiten alleine absolvieren, was für uns sehr ungewohnt ist. Zudem war bei beiden die Unsicherheit gross, weil wir nicht wussten, wie lange sich der Virus noch weiter bemerkbar machen wird.
Die wohl grösste Herausforderung bot diese Situation unserem Umfeld und insbesondere unseren Trainern. Sie steckten ja mit drin in dieser Unsicherheit, hatten jedoch die Aufgabe, mich zu beruhigen und mir Vertrauen zu geben, Simone jedoch gleichzeitig zu pushen und zu ermutigen. Und dabei gab es bestimmt einige schwierige Launen unsererseits zu schlucken... Aber unser Umfeld hat uns in dieser Zeit unglaublich gut unterstützt und einen grossen Teil dazu beigetragen, dass wir jetzt mit gutem Gewissen sagen können, dass wir uns bereit fühlen für den Saisonstart.

Trainingslager in L.A.: Vorbereitung mit Topteams
Seit Mitte Januar kann ich wieder das volle Trainingsprogramm absolvieren. Vom 12. März bis zum 4. April verbrachten wir drei Wochen in Los Angeles im Trainingslager. Eine neue Destination, also auch irgendwie ein Risiko, das sich jetzt im Nachhinein auf alle Fälle gelohnt hat! Die Trainingsbedingungen waren optimal, wir konnten uns zu 100 Prozent auf Beachvolleyball konzentrieren.
Wir hatten das Trainingslager mit europäischen Topteams aus Griechenland, Deutschland und Österreich zusammen geplant, womit uns Top-Trainingspartner garantiert waren. Zudem hatten wir dann zusätzlich noch die Gelegenheit, mit den amtierenden Weltmeisterinnen Ross-Kessy und den zweifachen Olympiasiegerinnen Walsh-May einige Trainingseinheiten zu absolvieren. Insgesamt also ein Trainingslager, das uns viel forderte und weiterbrachte!
Der Alltag in L.A. sah – wie fast immer in Trainingslagern – ziemlich unspektakulär aus. Die Tage bestanden aus trainieren, essen und schlafen, dazwischen viel Regeneration und Erholung. Und in meinem Fall dieses Jahr umso mehr, weil ich meinen Körper nach der langen Viruserkrankung Schritt für Schritt wieder an die täglich hohen Belastungen heranführen musste. Am Wochenende machten wir jeweils etwas Shopping oder Sightseeing, um den Kopf auf andere Gedanken zu bringen. Dann das Gleiche wieder von vorne. Doch ich mag diesen Alltag, man konzentriert sich voll und ganz auf die bevorstehenden Ziele und kommt täglich weiter.
Ein unglaublicher Vorteil, den unser Sport mit sich bringt, ist die Tatsache, dass unser optimaler Trainingsort am Strand unter sonnig-warmen Bedingungen vorzufinden ist. Also verbringen wir unsere Tage an Orten, wo andere Leute ihre Ferien geniessen, was wir natürlich nicht missen möchten.
Jetzt gehts los!
Nach unserer Rückreise in die Schweiz hatten wir nun gut eine Woche zu Hause, wir konnten Freunde und Familie treffen und wurden auch hier mit optimalen Trainingsbedingungen verwöhnt, so dass wir bei sommerlichen Temperaturen bereits wieder die Aussenanlagen des Beachcenters in Bern nutzen konnten – im April!
Und jetzt gehts also tatsächlich wieder los. Der Puls steigt beim Gedanken an den ersten Wettkampf der neuen Saison – ein Gefühl, das bestimmt jeder Sportler bestätigen würde. Auch wenn das viele Reisen und die damit verbundenen Strapazen manchmal kräftezehrend sind, so freue ich mich jetzt sehr auf die Saison und hoffe, dass wir uns selbst, unsere Trainer und unser ganzes Umfeld auch dieses Jahr mit schönen Erfolgen für die Geduld und Energie während des vergangenen Winters belohnen können!
Nadine Zumkehr bildet seit 2009 mit Simone Kuhn das beste Schweizer Beachvolleyballerinnen-Team. Vom 19. bis zum 22. April stehen sie am «Swatch FIVB Open» in Brasilia im Einsatz - es ist der Auftakt für die Qualifikationsphase für London 2012!
Siehe auch Nadine Zumkehrs Blogbeitrag «Der Weg ist das Ziel»