15. September 2010, esther.süss

Der Lohn für viele harte Trainingsstunden…..

Die Saison ist eigentlich gelaufen, und ich habe wieder etwas mehr Zeit, so glaubte ich zumindest. Doch nun muss vieles nachgeholt werden, was während der Saison zu kurz kam: mein Freund Erich, Schule vorbereiten, Patenkinder besuchen, lesen, Büro... So finde ich nun endlich die Zeit, etwas zu schreiben.

In dieser Saison habe ich im Crosscountry, der olympischen Disziplin im MTB, einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Schon die letzten beiden Jahre hatte ich mich im Crosscountry versucht, doch den Durchbruch nicht wirklich geschafft. So sagte ich mir auch dieses Jahr anfangs Saison: «Fahre mal die ersten Weltcups, und dann schaust du weiter.»

Crosscountry: Anschluss an die Weltspitze 
Beim ersten Weltcup in Dalby Forest (GB) musste ich mit der Nummer 58 starten, also ziemlich weit hinten. Da ich nicht als Schnellstarterin gelte, ist dies eher ein Nachteil, denn ich wurde in der Startphase schon oft ziemlich nach hinten durchgereicht. Auch in Dalby ging es mir nicht viel anders, hatte ich doch mal wieder die falsche Seite gewählt und entkam nur knapp einem Sturz in der Anfangsphase. Trotzdem ging das Rennen recht gut und ich konnte mich Position um Position nach vorne arbeiten, sodass ich schliesslich als 16. ins Ziel kam. Mein bestes WC XC Resultat!

Mit diesem Resultat legte ich mir den Grundstein für die weiteren Erfolge in dieser Saison. Schon beim  nächsten Rennen in Houffalize konnte ich aus der dritten Startreihe starten und erreichte mit einem super Rennen meinen ersten Top-Ten-Platz im Weltcup: Rang 6!!! Ich war sprachlos und überglücklich. Dieses Resultat zeigte mir auch, dass ich mit den schnellsten mithalten kann und stärkte mein Selbstvertrauen enorm. Als ich schliesslich beim dritten Rennen des Weltcups auf Podest fuhr (Rang 3), konnte ich es kaum glauben!! Das war einfach  sensationell und ich gehörte nun definitiv auch im Crosscountry zur Weltspitze!

Mit diesen beiden Resultaten sicherte ich mir auch das Ticket für die Crosscountry-WM in Monte Saint Anne in Kanada. Bei den weiteren Crosscountry-Weltcups belegte ich noch zweimal den sechsten und einmal den siebten Rang und konnte so in der Gesamtwertung den 5. Rang belegen. Dies hatte in den vergangenen sieben Jahren keine Schweizerin geschafft!

Marathon: alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt
Zwischen den Crosscountry Rennen bin ich auch noch Marathonrennen gefahren und konnte da die Titel an der Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaft gewinnen, das schaffte bisher noch niemand, sagte man mir! Mit dem Weltmeistertitel ging für mich ein Traum in Erfüllung und ich hatte somit im Marathon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt!!

Voller guter Hoffnung ging ich schliesslich an die WM in Monte Saint Anne. Die Strecke gefiel mir und ich war  froh, dass sie nicht wirklich so schwierig war, wie im Vorfeld alle gesagt hatten. Ich fühlte mich wohl und war topmotiviert für das Rennen. Sogar dass es am Wettkampftag regnete, konnte ich wegstecken und ich freute mich auf ein spannendes Rennen.

Doch bereits in der ersten von 5.5 Runden platze mein Traum von einer Medaille, denn ich fing mir einen Platten ein und musste bis zur Tech-Zone laufen. Doch dies war nicht alles; auch meine Gänge wollten an diesem Tag überhaupt nicht so wie ich, und ich musste noch ein zweites Mal einen Boxenstopp machen, um mir helfen zu lassen. Doch auch dies brachte nichts und ich fuhr das Rennen schliesslich mit Schaltproblemen zu Ende und landete nur auf dem 22. Rang. Ich war sehr enttäuscht am Ende des Rennens, denn die Beine hätten gepasst, doch es sollte nicht sein. Doch die nächste Weltmeisterschaft kommt bestimmt, und zwar nächstes Jahr in Champéry (SUI)...

«Niederlagen machen dich stärker»

Man sieht, wie nah Freud und Leid im Sport zusammen liegen, mal lacht die Sonne, dann wieder musst du untendurch. Doch die Niederlagen machen dich stärker, so heisst es zumindest, mal schauen, ob es wahr ist Wink. Jedenfalls habe ich wieder ein Ziel, für das es sich zu trainieren lohnt - im Winter, wenn es kalt und nass ist draussen und ich meine Trainingsstunden entweder draussen in der Kälte oder drinnen auf der Rolle absolvieren muss.

Die Schweizer Mountainbiker haben eine sensationelle Saison hinter sich - nicht zuletzt dank Esther Süss.

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Kategorien: Athleten

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