Es begann im Oktober 1967 in St.Moritz. Die Ski-Nati holte sich hier und auf dem Corvatsch-Gletscher den letzten Schliff für die Olympischen Spiele in Grenoble. Wir Zehnkämpfer gewöhnten uns am gleichen Ort an die Höhenlage von Mexico. Nach dem täglichen Morgenspaziergang vom Piz Nair (3057m) zum Lej Alv (2560m) absolvierten wir Runden um den kleinen See, Bergläufe und Techniktrainings auf der Polowiese in St.Moritz-Bad (und wurden sogar von Bundesrat Nello Celio besucht!).

In der «Folterkammer» lief wir und die Skifahrer einander über den Weg, verabredeten uns zum Tennis oder zu einem Glas Fruchtsaft und besuchten ein Training der «anderen Fakultät». Zum Abschied wurden wir von den Skiassen zu einem Fest in ihrem Hotel eingeladen. Vier von ihnen, drei Romands und ein Bündner, sorgten dafür, dass nach der Nullnummer von Innsbruck 1964 das Wintersportland Schweiz wieder würdig in der olympischen Medaillenstatistik vertreten war.
Vom Unwissenden zum Vorstandsmitglied
20 Jahre später. Oktober 1987. Bei der Feier zur Wahl von Adolf Ogi zum Bundesrat war Fernande Bochatay meine Tischnachbarin. Die Gewinnerin der Bronzemedaille an den Winterspielen 1968, die ich seit jener Trainingswoche in St.Moritz nie mehr gesehen hatte, fragte mich, wieso ich nie an einer Veranstaltung der Gemeinschaft Schweizerischer Olympiateilnehmer anzutreffen sei. In meinen Augen grosse Fragezeichen.
Seither weiss ich aber, was diese 1977 gegründete Vereinigung ist, will und tut. Ihr könnt es in den Statuten lesen, die am 5. September 2010 von der GV in aktualisierter Fassung angenommen wurden. Einige Tage später tauchte ich in der Mitgliederdatei, einige Wochen später an einem Treffen und einige Jahre später im Vorstand der Swiss Olympians auf. Eine meiner ersten Amtshandlungen war übrigens, den Olympiateilnehmern auch die Innen anzufügen.
Was mich schon in meiner Aktivzeit faszinierte, war der Austausch unter Athletinnen und Athleten. Kreuz durch die Disziplinen und quer durch die Sportarten, aber auch durch die Generationen. Dadurch konnte diese Mitgliedschaft noch weiter ausgebaut werden. Und es sind nicht nur Kameradschaft und Nostalgie, die uns zusammentreiben, wir diskutieren auch intensiv über Probleme (und Lösungen) des aktuellen Sportgeschehens.
Die Aufgaben, die mir unser Präsident Urs Fankhauser (vielfacher Olympiateilnehmer als Ruderer und Funktionär) übertragen hat, machen mir Spass: erfolgreichen Mitgliedern und solchen, die es werden sollten, gratulieren; neue Mitglieder, auch solche, die noch aktiv im Rampenlicht stehen, anwerben; Events durchführen. Dass ich an Sommer- und Winterspielen teilnehmen durfte und die daraus entstandenen Beziehungen erleichtern meine Aufgaben.
Langjährige Freundschaften
Freundschaften werden so weiter gepflegt. Dem Ruderer Melch Bürgin beispielsweise gab ich für sein Sportlehrerstudium Trainingslektionen mit Kugel und Diskus, worauf er mich in seinem Doppelzweier in die Geheimnisse des Ruderns einführte und sogar eine Regatta mit mir fuhr. Wir beide gründeten auch den Gentleman-Club, dessen Aufnahme- und Bewährungskriterien so streng sind (ich darf sie nicht verraten!), dass heute nur noch wir zwei dazu gehören.

Gold für den Viererbob Schweiz I in Sapporo 1972 (von links): Jean Wicki, Hans Leutenegger, Werner Camichel und Edy Hubacher. Hubacher, Wicki und Leutenegger sind heute Swiss Olympians und haben immer noch regen Kontakt. Werner Camichel ist 2006 verstorben.
Mit dem Fechter Dani Giger verbindet mich eine dauerhafte Sportkameradschaft. 25 Jahre spielten wir zusammen Tennis: Interclub, Doppelturniere, harte Trainingsduelle. Und die Sapporo-Leute treffen sich regelmässig im Rahmen ihrer Stiftung, die für in Not geratene WintersportlerInnen gegründet wurde und dafür jährlich durch ein Golf-Charity-Turnier Geld «herein spielt».
Und nun sieht man sich eben bei den Anlässen der Swiss Olympians – drei bis vier pro Jahr –, an denen neue Bekanntschaften geschlossen und alte vertieft werden. Die «Fleisskarte» verdienen sich meistens die Kunstturner, aber auch die Ruderer, Leichtathletinnen und Handballer sind oft dabei.
Viktor Röthlin, Ariella Kaeslin, Fabian Cancellara, Mark Streit...
Keine Sorge um die Teilnehmerzahl brauchten wir uns beim Besuch von Weltmeisterschaften zu machen, sei es beim Eishockey, Curling oder Ski. Auch die Schweizer Tennis- oder Beachvolley-Turniere fanden wie die Athletissima grossen Anklang. Die Swiss Olympians wollen aber nicht immer nur zuschauen.
«Do it yourself!» war schon beim Curling und beim Hornussen Trumpf. Dabei war der Spassfaktor ebenso hoch wie beim Wasserschanzen-Springen im «Jump In» von Olympiasieger und Mitglied Sony Schönbächler. Olympiasiegerin Evelyne Leu, auch sie Mitglied, animierte dort mit ihrer Demonstration die Unerschrockenen unter uns zu wagemutigen Auftritten.
An der GV vom 5. September 2010 im Studio Leutschenbach wurden die 62 anwesenden Mitglieder eingeladen, eigene Ideen für künftige Treffen einzubringen. Die dort präsentierte neue Webseite fand grosse Anerkennung und trug bestimmt auch dazu bei, dass wir innert kurzer Zeit hochkarätigen Zuwachs bekamen: Viktor Röthlin, Ariella Kaeslin, Fabian Cancellara, Dominique Gisin und Mike Schmid dürfen wir nun auch zu unseren Mitgliedern zählen. Der abschliessende Besuch im Sportpanorama mit der spektakulären Neuverpflichtung von Studiogast Mark Streit durch Moderator Jann Billeter - und hoffentlich auch mein «Werbespot» hier – sollten möglichst viele ehemalige OlympiateilnehmerInnen anspornen, zu uns zu stossen.
Eduard «Edy» Hubacher ist ehemaliger Bobfahrer und Leichtathlet. Er war in den 1960er-Jahren der beste Kugelstosser, Diskuswerfer und Mehrkämpfer der Schweiz, wechselte dann zum Bobsport und wurde 1972 Olympiasieger im Viererbob.