18. Juni 2010, swiss.olympic

Es war einmal Olympia... Coubertins Herz am rechten Fleck

Pierre Coubertin, der Vater der modernen Olympischen Spiele, hat sein Herz auch 83 Jahre nach seinem Tod am rechten Fleck. Kein Scherz! Coubertins Herz ruht nämlich in einer Marmorsäule im griechischen Olympia, während seine sterblichen Überreste in seiner Wahlheimat Lausanne beigesetzt wurden. Wie kam es dazu?


Nachdem Coubertin am 2. September 1937 während eines Spaziergangs in Genf im Alter von 74 Jahren an Herzversagen verstorben war, wurden seine sterblichen Überreste in Lausanne beigesetzt. Mit Ausnahme seines Herzens! Dieses wurde nach seinem Wunsch 1938 in Olympia, Griechenland, beigesetzt.

 

Nachdem der Geistliche dem Herzen Baron de Coubertins den Segen erteilt hatte, sprach Graf Baillet-Latour, der Präsident des IOK, die letzten Abschiedsworte:

Eure Exzellenzen, meine Herren, liebe Kollegen,
in tiefer Trauer um den Tod Pierre de Coubertins und in dem Wunsche, seinen letzten Willen zu
erfüllen, sind Sie nach Olympia gekommen. Wir wollen sein Herz in dem Denkmal beisetzen,
das seinem Andenken gewidmet ist. Es wird hier für die Ewigkeit ruhen, nahe der Landschaft, wo auch diejenigen im letzten Schlummer liegen, die die Gründer der Spiele Griechenlands waren, und nicht weit von dem Ort, wo die Fackel angezündet wird, die das heilige Feuer zu den Stadien trägt.
Von jetzt an wird diese Fackel, die im Herzen der Jugend die Begeisterung für die olympische
Idee erweckt, zugleich das Andenken an denjenigen wieder aufleben lassen, der einer der größten
Wohltäter der Menschheit war und mehr als jeder andere für die Sache des Friedens und eines
guten Einvernehmens zwischen den Menschen aller Rassen und Religionen getan hat.
Lebe wohl, Pierre de Coubertin. Möge deine Seele in Frieden ruhen!

Dann stellte der Diadoch, der Präsident des Hellenischen Olympischen Komitees, das Herz in den Sockel des zu Ehren Coubertins errichteten Denkmals. Die Feier, an der alle Bewohner der Gegend teilnahmen, war schlicht, aber eindrucksvoll.

Die Mitglieder des IOK und des Hellenischen Olympischen Komitees besuchten anschließend die neuen von Dr. Kunze geleiteten deutschen Ausgrabungen. Auf dem Rückweg hatten sich die Bauern an jeder Station eingefunden, um ihren geliebten Erbprinzen, den Ehrenpräsidenten des Griechischen Olympischen Komitees,
zu grüßen. — Die XXXV. Sitzung des IOK 1938 war nach dieser Feier in Olympia zu Ende.

Die Vision Coubertins lebte weiter, wie dies auch die Witwe Baronin de Coubertin bei der Beisetzung prophezeite: „Aus den Händen des Erneuerers der Spiele ist die Fackel in Hände übergegangen, die sie hochhalten und anderen weiterreichen. Ihre am Herd edelster Zivilisation entzündete Flamme wird nicht mehr erlöschen, und die Kraft des Hellenentums, die den berühmten Boden von Olympia ganz besonders befruchtet hat, wird weiter, wie der Erneuerer der Spiele es gewollt hat, die Olympischen Spiele moderner Zeit durchdringen.“

Es war einmal Olympia... In dieser Serie erzählen wir Ihnen Anekdoten und Geschichten aus über 100 Jahren Olympia.

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