21. Februar 2011, linard.kindschi

Fast nur Highlights am EYOF - Tagebuch eines Langläufers

Samstag: ein eisiger Wind empfängt uns

Als wir am Samstagmorgen noch in der Dunkelheit mit dem Reisebus von Zürich in Richtung Liberec losfuhren, war bei allen Athleten eine grosse Vorfreude zu verspüren. Nun galt es, die lange Fahrt von rund elf Stunden so gemütlich wie möglich zu gestalten. Einige hörten einfach nur Musik, während es andere mit Schlafen versuchten. Und bei jedem konnte man früher oder später einen Laptop finden, auf dem ein Film geschaut wurde. Als wir dann ungefähr um 19.00 Uhr in Liberec ankamen, blies uns beim Aussteigen ein kalter Wind entgegen. In den nächsten Tagen merkten wir schnell, dass dieser Wind zu Liberec gehörte. An diesem Abend bezogen wir zuerst unsere Zimmer, bevor es weiterging zum Abendessen.

Sonntag: Eröffnungsfeier mit olympischem Feuer

Am Sonntagmorgen standen ein erstes Training und Skitests auf dem Programm. Nachmittags hatten wir kein Fixprogramm und so nutzen wir diesen für ein kurzes lockeres Joggen rund um das Olympic Village, das aus dem Universitätscampus von Liberec bestand. Am Abend stand dann mit der Eröffnungszeremonie bereits das erste Highlight des EYOF auf dem Programm. Ein besonderer Moment war natürlich, als wir Schweizer aufgerufen wurden und unsere Runde durch das Stadion zogen, ebenfalls cool war, als das olympische Feuer entfacht wurde.

Montag: ein schlechter Start für die Langläufer 

Montag, sieben Uhr: Zeit zum Aufstehen. Zeit, um sich auf den ersten grossen Wettkampf vorzubereiten. Als es dann für die Frauen hiess, die 7,5 km im klassischen Stil so schnell wie nur möglich zu bewältigen, waren die Jungs noch am Skitesten für das bevorstehende 10km-Rennen. Julia Philipona aus Davos eröffnete mit der Startnummer 1 die olympischen Langlauf-Wettkämpfe. Dies war jedoch nicht zu ihrem Vorteil, da ein Zentimeter Neuschnee auf der 2,5 Kilometer langen Kunstschneeschlaufe lag.

Als der erste Wettkampftag zu Ende war, gab es nur ein Fazit: dies war ein schlecht Tag für die Langläufer. Die Athleten wie auch die Serviceleute kamen mit den sehr schwierigen Bedingungen nicht gut zurecht.

Dienstag: Yannik Cerutti zündete den Turbo

Am Dienstag waren die schlechten Leistungen vom Vortag bereits wieder vergessen und wir standen hoch motiviert für den Sprint Klassisch bereit. Yannick Cerutti bestand die Qualifikation als 25. und einziger Schweizer. Im Viertelfinale sah es zuerst nicht nach einem Weiterkommen für ihn aus, er lief bis kurz vor der Zielgerade auf der letzten Position seines Heats. Doch auf der Zielgeraden zündete er den Turbo, überholte noch vier Konkurrenten und lief schlussendlich sicher ins Halbfinale. Da vermochte er den Turbo nicht mehr zu zünden und musste sich mit dem 12. Schlussrang des Sprints zufrieden geben. Mit diesen Resultaten fiel das Tagesfazit bei allen Läufern besser als am Vortag aus.

Mittwoch und Donnerstag: Es geht aufwärts

Am Mittwoch bestand das Tagesprogramm lediglich aus einem kurzen Training am Morgen, deshalb gleich weiter zum Donnerstag. Da stand nämlich das Freistilrennen auf dem Programm, 5 Kilometer für die Frauen und 7,5 Kilometer für die Herren. Alle vier Jungs konnten sich gegenüber dem klassischen Rennen deutlich steigern. Am besten gelang dies Roman Schaad, der sich vom 52. auf den 17. Platz verbesserte und damit für das beste Schweizer Langlaufresultat an diesem Tag sorgte. Mit Livio Bieler, Julia Philipona und Franziska Trütsch konnten sich weitere Schweizer in den Top 30 Klassieren. Das Tagesfazit war diesmal gut. Alle konnten sich von dem Zeitrückstand her verbessern und einige auch von den Rängen her.

Freitag: 11. Rang fürs Team

Am Freitag war nun noch die Mixstaffel bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern. Starläufer Cerutti verlor wegen eines selbstverursachten Sturzes in der schnellen Abfahrt auf der ersten Runde bereits den Anschluss und büsste bis zur Übergabe an Nathalie von Siebenthal bereits eine Minute auf die Spitze ein. Für die dritte Ablösung stand dann Roman Schaad bereit, der erneut ein gutes Skatingrennen zeigte und die sechstbeste Zeit seiner Ablösung lief. Julia Philipona brachte das Team Schweiz dann mit einem 11. Rang ins Ziel - derselben Klassierung wie beim letzten EYOF in Polen 2009.

Freitagnacht: schlaflos 

Am Sonntag stand für die Schweizer ein Apéro mit Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic, dem Abteilungsleiter Spitzensport Gian Gilli sowie dem Schweizer Botschafter in der Tschechischen Republik auf dem Programm. Am Dienstag erklang dank dem Sieg von Boardercrosserin Caroline Weibel erstmals die Schweizer Nationalhymne an der Medalzeremonie. Die Boarder waren an diesem Tag sehr erfolgreich und holten noch zwei Bronzenmedaillen. Am Freitagabend stand dann bereits die «Closingceremony» mit einer anschliessenden Afterparty an. Somit verging die letzte Nacht für einige schlaflos.

Schlussfazit

Das EYOF in Liberec bestand eigentlich nur aus Highlights. Neben den sportlichen Erfahrungen auf internationalem Niveau hatten wir vor allem auch die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Ein Kompliment muss man auch den Tschechen machen, die sich sehr viel Mühe gaben, was man beispielsweise am grossen Sicherheitsaufwand bemerkte.

Linard Kindschi gehört dem Schweizer Langlaufteam an, welches am EYOF Liberec 2011 an den Start ging. Sein bestes Resultat in Liberec war der 32. Rang im 7.5 Km Skatingrennen.

Alle News und Resultate zum EYOF in Liberec finden Sie hier.

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