29. September 2010, nadine.zumkehr

«Der Weg ist das Ziel»

Schon bald ist die Beachvolleyballsaison 2010 zu Ende und ab 2011 gilt es dann definitiv Ernst: Mit der nächsten Saison 2011 beginnt auch unsere Olympiaqualifikation für London. Der Qualifikationsmodus wurde geändert, es gibt einige Neuheiten im Vergleich zu vorher. Früher qualifizierten sich jeweils die ersten 24 Teams des Olympiarankings, wobei aber pro Land nur zwei Teams teilnehmen durften, die überzähligen Teams wurden rausgestrichen. Ein an sich simpler Modus, der für Athleten und Aussenstehende verständlich und berechenbar war. Nun wurde aber vieles geändert.

 
                                                                                                                          (Bild: zvg)

Über das weiterhin bestehende Olympiaranking qualifizieren sich für London nur noch 16 Teams. Zudem werden nur noch Startplätze fürs eigene Land geholt, die nationalen Verbände entscheiden dann, an welches Team der Startplatz geht. Die Beschränkung auf maximal zwei Teams pro Land bleibt bestehen. Neu entstanden ist der sogenannte Continental Cup, vergleichbar mit dem uns vom Tennis bekannten Daviscup. So gibt es für jeden Kontinent einen Quotenplatz, den man sich über diesen Continental Cup sichern kann.

Auf den ersten Blick ist es eine Chance, gemeinsam mit einem anderen Schweizerteam einen Olympia-Startplatz zu sichern. Doch die Realität sieht etwas komplizierter aus. Im Vergleich zu den anderen Kontinenten ist Europa in der Weltrangliste sehr stark vertreten, von den ersten 30 Teams spielen 18 für Europa. Es wird also deutlich, dass der europäische Quotenplatz über den Continental Cup weitaus schwieriger zu holen ist als der eines anderen Kontinenten.

Meine erste Olympiade

Die erste Gruppenphase des Continental Cups haben wir bereits gespielt. Die Vorstellung, als Team Schweiz mit einem anderen Team um einen Startplatz zu kämpfen, gefällt mir grundsätzlich sehr! Für mich als Beachvolleyball-Spielerin etwas Neues, es macht Spass, wenn die Gegnerinnen der nationalen Tour plötzlich zum eigenen Team werden und man ein gemeinsames Ziel verfolgt! In unserer Gruppe war das Turnier jedoch schlecht organisiert, es war deutlich spürbar, dass das Format 'Continental Cup' erst wachsen und sich entwickeln muss. Deshalb finde ich persönlich es ein wenig schade, dass das Format direkt in den Olympiaqualimodus integriert wird, ohne dass es zuvor in einer Testphase ausprobiert wurde.

Ich zerbreche mir jedoch nicht den Kopf über den neuen Modus, ändern können wir ihn eh nicht. Und da dies mein erster Olympiazyklus ist, bei dem ich mitmische, fehlt mir auch der Erfahrungswert. Ich nehme den Modus als Chance, unser Ziel ist es, uns über die ersten 16 Teams zu qualifizieren. Zudem haben wir im Continental Cup die Chance, gemeinsam mit einem anderen Schweizerteam alles uns Mögliche daran zu setzen, auf diesem Weg einen Startplatz für die Schweiz zu holen. Eine sicherlich schwierige Aufgabe, doch es hat ja noch nie jemand behauptet, die Qualifikation für Olympische Spiele sei einfach...;-)

 
                                                                                                             (Bild: Beda Filliger)

Um unseren gemeinsamen Traum zu verwirklichen, arbeiten Simone und ich zusammen mit unseren Trainern konsequent und hart an uns. Der eingeschlagene Weg stimmt, wir hatten zwei erfolgreiche gemeinsame Jahre, die die Qualifikation für London in den Bereich des Möglichen gebracht haben. Wir sind Schritt für Schritt weiter gekommen, konnten uns bisher ständig weiterentwickeln.

Der grosse Wille, an Olympia dabei zu sein

Anders als von aussen vielleicht vermutet wird, ist die Qualifikation jedoch alles andere als schon geschafft. Denn nächste Saison geht's bei Null los, alle bisher erspielten Punkte zählen nicht für das Olympiaranking. Also heisst es, weiter konsequent zu arbeiten. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir uns Schritt für Schritt an eine Teilnahme in London annähern, wenn wir so weiter trainieren wie bisher. Es macht mir riesigen Spass, in diesem Umfeld zu arbeiten und ich freue mich auf die kommenden zwei Jahre, was auch immer sie für uns bereithalten werden.

Zudem kann ich mich mit Simone auf eine erfahrene Partnerin verlassen, die bereits zwei Olympiazyklen hinter sich hat und in Athen und Peking bereits im Sand stehen durfte. Dies ist für mich als Neuling sicher ein grosser Vorteil, der mir Vertrauen gibt. Simone kann mich in schwierigen Situationen dank  ihrer Erfahrung anleiten, und gleichzeitig kann ich sie sicher mit meiner Neugier und mit dem grossen Willen, auch einmal bei Olympia dabei sein zu wollen, motivieren! Ich denke also, dass wir ein sich gut ergänzendes Team ergeben, das sich auf den Weg in Richtung London macht. Für mich zählt jedoch das altbewährte Sprichwort «der Weg ist das Ziel». Ich möchte später nicht zurückschauen und sagen müssen, dass ich vor lauter Olympiaqualifikation blind war für all die anderen wertvollen Erfahrungen, welche ein solcher Weg als Athletin in sich trägt!

Nadine Zumkehr ist zusammen mit Simone Kuhn das bestplatzierte Team aller Schweizer Beachvolleyballer (aktuell Platz 9 der bereinigten Weltrangliste) und somit eine der grossen Schweizer Hoffnungen für London 2012.
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