Die letzten Tage waren sehr hektisch. Vor etwa einer Woche war ich noch in Roudnice (Tsch) an den Junioren-Weltmeisterschaften – der absolute Höhepunkt meiner Ruder-Saison, und das in jeder Hinsicht: Im Vierer mit Steuermann gewann unser Team die Goldmedaille. Das war grossartig. Aber Zeit zum Feiern blieb kaum. Bereits wenige Tage später sass ich im Flugzeug nach Singapur, um an den Youth Olympic Games (YOG) im Skiff anzutreten.
Die ersten Tage war ich noch immer ein wenig müde. Müde von den vergangenen Wettkämpfen und von der langen Reise. Mittlerweile geht es schon besser. Und ich bin hierher gekommen, um gut zu rudern. Auch wenn es an den YOG eine andere Situation für mich ist, als noch in Tschechien. Hier sitze ich alleine im Boot. Das erfordert einen anderen Ruderstil, der etwas weniger auf Kraft, dafür mehr auf Gefühl beruht. Zudem ist die Wettkampfstrecke mit einem Kilometer Länge eher kurz. Und natürlich ist auch die Umgebung eine für mich ungewohnte: Nie gesehene Bäume und riesige Hochhäuser stehen da entlang des Wassers.
Meine Ziele setze ich mir von Wettkampf zu Wettkampf. Ich bin keiner, der schon mit Olympia im Hinterkopf an Rennen teilnimmt. Es kann so schnell gehen und dann sind alle lange gehegten Träume futsch. Eine Verletzung kann ein langfristiges Ziel, dem man alles unterordnet, in unendlich weite Ferne rücken.

Nächstes Jahr beginne ich in Lausanne mit meinem Geschichts- und Französisch-Studium. Das ist mein Leben neben dem Sport. Klar möchte ich auch über die Juniorenstufen hinaus weiterrudern. Aber wie gesagt: Ich nehme es Wettkampf für Wettkampf. Und ich hoffe, hier läuft es mir ähnlich gut wie in Roudnice. (Aufgezeichnet von Christoph Emch)
Augustin Maillefer ist Ruderer (Skiff) der Schweizer Delegation an den ersten Youth Olympic Games in Singapur.