15. Oktober 2012, daniel.stegmann

Augustin Maillefer: «Die Momente auf dem Wasser entschädigen für alles»


«London 2012» (Foto: Keystone)

Im Alter von 19 Jahren besitzt Augustin Maillefer bereits die Erfahrung von zwei Olympischen Spielen. In Singapur nahm der Ruderer vor zwei Jahren an den ersten «Youth Olympic Games» (YOG) der Geschichte teil, im Sommer dieses Jahres folgten die Olympischen Spiele von London. Inzwischen ist wieder Normalität ins Leben des Waadtländers eingekehrt. Noch ist «Rio 2016» weit weg, mit der Unterstützung von Verband, Klub und der Stiftung Schweizer Sporthilfe ist er aber gewillt, diesen weiten Weg zu rudern.

Augustin Maillefer, welche Eindrücke haben Sie aus London mitgenommen?

Tolle Eindrücke. Alles, aber wirklich alles, drehte sich in London um Sport. Die Wettkämpfe waren perfekt organisiert, das Leben im Dorf war spannend, und nachdem meine eigenen Wettkämpfe vorbei waren hatte ich das Glück, viele andere Sportarten zu sehen.

Mit 19 an die Olympischen Spiele und dort auf Rang zwölf – sind Sie zufrieden?

Auch wenn wir uns rangmässig doch etwas mehr erhofft hatten, bleiben doch die guten Erinnerungen an die Wettkämpfe. Das Niveau war enorm hoch und der angestrebte Top-8-Platz ambitiös. Zwar haben wir das im Vorhinein gewusst, aber wenn es dann einmal wirklich losgeht, erwartet man insgeheim mehr.


Von links nach rechts: Nico Stahlberg, Florian Stofer, Andre Vonarburg, Augustin Maillefer (Foto: Keystone)

Haben die vielen Zuschauer an den Wettkämpfen Sie beeinflusst?

Sicher haben sie das, aber ich könnte nicht einmal im Ansatz beschreiben, in welcher Weise. Die vielen Zuschauer haben uns nicht kalt gelassen. Niemanden hat das kalt gelassen. Während wir an normalen Regatten vielleicht um die 300 Zuschauer haben, waren es in London gegen 30‘000! Schon 500 Meter vor dem Ziel war der Lärm ohrenbetäubend.

Nach ihrem letzten Einsatz waren Sie dann selbst Zuschauer …

… und ich habe auch das sehr genossen. Einen Tag nach unserem letzten Wettkampf fand der Ruderfinal statt. Obwohl ich noch sehr müde war, wollte ich diesen auf keinen Fall verpassen – im Gegensatz zu meinen Teamkollegen, die sich lieber ausgeruht haben. Danach habe ich mir Tickets für viele Sportarten besorgt: Beachvolleyball, Leichtathletik, Wasserball, Synchronschwimmen –  wenn es irgendwie gegangen wäre, hätte ich alles geschaut. Wirklich alles (lacht).

Sie waren zwei Jahre zuvor an den Youth Olympic Games in Singapur. Kann man die beiden Anlässe überhaupt vergleichen?

Verglichen mit den Spielen in London waren die YOG winzig. Aber sie haben mir doch einen guten Eindruck vermittelt, was mich diesen Sommer erwartet. So war ich kaum überrascht, das Interesse von Medien und Fans zu spüren und die vielen Menschenmassen zu sehen, die in die Arenen strömten. Trotzdem: Mehr als ein leichtes Aufwärmen waren die Youth Olympic Games kaum. Die «grossen» Olympischen Spiele sind zwanzigmal grösser. Sie sind unfassbar gross, und die Emotionen sind immer und überall zu spüren, sei es bei den Athleten selbst oder bei den Zuschauern.


Singapur 2010 (Fotos: Arnaud Bertsch)

In London waren Sie Teil des Projekts «Doppelvierer». In welchem Projekt sehen Sie sich im Hinblick auf «Rio 2016»?

Das ist jetzt noch zu früh, um diese Frage zu beantworten. «Rio 2016» ist zwar schon im Hinterkopf, aber doch noch sehr weit weg. Ich habe schon bald nach den Olympischen Spielen und nach ein paar Wochen Erholung wieder mit dem Training begonnen. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich mich vor allem auf Skiff, also Einzelrudern, konzentrieren. Ob und in welchem Projekt ich dann Aufnahme finde, entscheidet der Ruderverband, aber das wird wohl frühestens im nächsten Jahr sein.

In welchem Boot Sie rudern möchten – das können Sie nicht selbst entscheiden?

Das ist bei uns Ruderern normal. Nach Olympischen Spielen wird jeweils geschaut, welche Ruderer weitermachen und ob gute Junioren nachrücken. Der Verband versucht dann, die stärksten Ruderer in einem Projekt zusammenzubringen, um für die wichtigen internationalen Wettkämpfe konkurrenzfähige Boote zu haben. Jetzt kommt eine spannende Zeit, denn manchmal tauchen plötzlich starke Junioren auf, mit denen niemand gerechnet hat.

Sie waren im letzten Jahr ja noch selbst ein überraschender Junior …

Das stimmt. Noch vor 12 Monaten hätte ich nie gedacht, an den Olympischen Spielen mit dem Doppelvierer dabei zu sein – und dann ging alles plötzlich ganz schnell.

Wie finanzieren Sie Ihren Sport?

Die grosse Aufmerksamkeit, die wir während den Olympischen Spielen von Medien und Zuschauern bekamen, ist eine Ausnahme. Als Ruderer kann man hier in der Schweiz deshalb nicht erwarten, von einzelnen Sponsoren Zehntausende von Franken zu erhalten. Ich profitiere von vielen kleinen bis mittleren Unterstützungsbeiträgen; ein Teil übernimmt mein Klub in Lausanne, ein Teil der Ruderverband, und nicht zuletzt erhalte ich auch von der Sporthilfe einen wichtigen Beitrag. Nachdem ich lange Sporthilfe-Patenathlet war, erhalte ich nun neu als sogenannter «Bronze-Athlet» jährlich 7000 Franken. Und in diesem Jahr zusätzlich dank der Ehrung als «Meilleur espoir romand» 6000 Franken. Jeder dieser Beiträge ist wertvoll für mich und wie ein Puzzleteil, das sich zu einem Ganzen fügt.

Ruder-Trainings müssen unglaublich hart sein – was fasziniert Sie denn so am Rudern?

Es ist ein wunderbares Gefühl, auf dem Wasser zu gleiten, mit den Teamkollegen die exakt gleiche Bewegung zu machen und zu spüren, wie man gemeinsam vorwärtskommt. Ja, die Trainings sind hart, seit dem vergangenen Jahr habe ich bis zu 13 Mal pro Woche für Olympia trainiert. Und doch glaube ich nicht, auf wesentliche Dinge verzichtet zu haben. Die Momente auf dem Wasser entschädigen für alles.

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