Marc-André Giger war während fast vier Jahren CEO von Swiss Olympic. Ende August hat der Baselbieter den Dachverband des Schweizer Sports verlassen. Im Gespräch blickt er auf Erfolge und Misserfolge seiner Amtszeit zurück und freut sich darauf, nun selbst mehr Sport treiben zu können.

Marc-André Giger, Sie haben Swiss Olympic nach fast vier Jahren verlassen. Weshalb?
Ich habe mich am Vier-Jahres-Zyklus der Olympischen Spiele orientiert. Nach Vancouver 2010 stand ich vor der Frage, ob ich weitere vier Jahre bei Swiss Olympic bleiben wollte. Weiter...
Tennis in Wimbledon, Fussball im Wembley-Stadion, Triathlon im Hyde Park – das sind nur einige der spektakulären Austragungsorte der Olympischen Sommerspiele London 2012. Eine Delegation von Swiss Olympic sammelte erste Eindrücke vor Ort.
Tausende Bauarbeiter, hunderte Lastwagen und Dutzende von Kränen sind auf der riesigen Baustelle im Osten Londons beschäftigt. Im Stadtteil Stratford entsteht der so genannte «Olympic Park». In zwei Jahren werden hier 10'000 Athleten ins olympische Dorf einziehen, wird im Olympiastadion die Eröffnungsfeier zelebriert, werden im fischförmigen, silbern glänzenden Schwimmstadion die weltbesten Schwimmer gegen Michael Phelps antreten. Bereits im Sommer 2011 sollen die meisten Wettkampfstätten fertig gestellt sein und Testwettkämpfe stattfinden. Die Bauarbeiten schreiten planmässig voran, davon überzeugte sich eine Schweizer Delegation unter der Führung von Chef de Mission Gian Gilli Ende Juni.

Olympiastadion
«Die Schweiz ist meine zweite Heimat»
Begrüsst wurde die 30-köpfige Gruppe aus der Schweiz im Hauptsitz des Organisationskomitees LOCOG vom Vorsitzenden höchstpersönlich, dem ehemaligen Weltklasse-Mittelstreckenläufer Sebastian Coe. «Die Schweiz ist meine zweite Heimat», Weiter...
Viele Schweizerinnen und Schweizer sind der Meinung, dass es doch schön wäre, Gastgeberland Olympischer Winterspiele zu sein. Dass unser Land sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite zeigen könnte. Dass wir uns so einen Grossanlass mit 3000 Athleten und 10'000 Medienschaffenden zutrauen dürfen. Schliesslich haben wir vor kurzem erfolgreich eine Fussball-Europameisterschaft organisiert. Und schliesslich ist es lange her, dass Olympische Spiele in der Schweiz stattgefunden haben. 1948 wars, in St. Moritz.

Bild: Keystone
Es gibt aber auch viele Menschen, die sich mit Händen und Füssen gegen eine solche Austragung in unserem Land wehren würden. «Zu teuer!» «Zu gross!» «Nicht nachhaltig!» Und sie haben starke Argumente, munkelt man doch beispielsweise, dass Sotschi allein für seine Kandidatur 90 Millionen Franken ausgegeben haben soll. Weiter...
Zwei Wochen Olympia sind bereits vorbei (das Führungsteam war bereits ein Woche vor der Eröffnung vor Ort mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt), vieles haben wir schon erlebt hier in Kanada, und noch liegt fast eine ganze Woche vor uns.

Beide olympischen Dörfer sollen ja einen schönen Fitnessraum haben. Die habe ich zwar bis jetzt noch nicht von innen gesehen, aber man Weiter...
Vielleicht war heute bereits der emotionalste Tag dieser Spiele, und dabei haben sie eben erst begonnen. Der tödliche Unfall des Rodlers Nodar Kumaritashvili hat alle geschockt – nicht nur die Delegationen aus allen Ländern, sondern auch die Kanadierinnen und Kanadier.

Nur wenige Stunden später feierte Kanada mit einer grossartigen Eröffnungsfeier seine dritten Olympischen Spiele. Die Vorfreude auf die Wettkämpfe und das Erleben des olympischen Geistes war allen Einmarschierenden ins Gesicht geschrieben.
Die strahlenden Gesichter der Athleten beim Einlaufen in das Stadion und das gleichzeitige Wissen um die unendliche Trauer der Familie von Nodar hat mich berührt, als ich die Eröffnungsfeier am Fernsehbildschirm im Büro des Swiss Olympic Team – mit Blick auf das Stadion – verfolgt habe.
Die Diskrepanz zwischen den beiden Ereignissen zeigte einmal mehr mit aller Brutalität, wie nahe Freud und Leid beieinander liegen können.
Morgen geht es nun los mit den Wettkämpfen, der Fokus der Sportlerinnen und Sportler wird ganz auf diesen einen Moment gerichtet sein, für den sie vier Jahre gearbeitet haben. Und unsere Aufmerksamkeit auch.
Geniessen wir die Wettkämpfe – im Wissen, wie schnell alles vorbei sein kann.
Christof Kaufmann ist Medienchef von Swiss Olympic
Bombenanschlag. Schwere Verletzung eines Sportlers. Dopingfall. Das sind nur drei mögliche Krisenfälle, mit denen die Schweizer Delegation an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver konfrontiert sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit ist zum Glück nicht sehr gross. Aber die Möglichkeit besteht. Deshalb haben unser Sportpsychologe Jörg Wetzel und ich das Führungsteam für eineinhalb Tage beübt. Wir haben trainiert, wie man mit Personen umgeht, die unter Schock stehen. Wir haben gelernt, wie wir vorgehen müssen, wenn ein Delegationsmitglied stirbt. Wir haben die Zusammensetzung unseres Care-Teams diskutiert.
Es ist unangenehm, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Weil wir hoffen, dass sie nie passieren. Und doch waren die eineinhalb Tage wichtig – damit wir in einem solchen Fall nicht auf dem falschen Fuss erwischt werden. Angenehm war dafür das Umfeld. Zum Glück ist der Chefarzt der Delegation, Christian Schlegel, auch Chefarzt am «Swiss Olympic Medical Center» in Bad Ragaz. Neben dem Besuch der verschiedenen Bäder, die zum Hotel gehören, hat das Führungsteam auch geschlossen das Casino von Bad Ragaz besucht. Der erfolgreichste Zocker war unser Marketingchef Dany Gehrig. Kein Wunder, schliesslich weiss er, wie man das Geld reinholt.

