«Clean Water» bringt Schwimmer sauber nach London

Seit in Peking 2008 die Weltrekorde im Schwimmen nur so purzelten, stehen Schwimmer nach ausserordentlichen Leistungen unter Dopingverdacht. Dank dem Projekt «Clean Water» von Swiss Swimming und Antidoping Schweiz werden die Schweizer Schwimmerinnen und Schwimmer in London 2012 sauber starten.

In Peking 2008 wurde in den Schwimmdisziplinen Weltrekord um Weltrekord unterboten. In einigen Disziplinen waren es jeweils gleich mehrere Schwimmer, die die bisherige Bestmarke knackten. Mit Zeiten, von denen man noch vor ein paar Jahren nur geträumt hatte. Waren es die neuen Schwimmanzüge (die mittlerweile verboten sind)? War es Doping? Die Sportwelt runzelte die Stirn.

Projekt gegen Generalverdacht

Schwimmerinnen und Schwimmer stehen nach ausserordentlichen Leistungsverbesserungen spätestens seither unter Generalverdacht. Blutkontrollen könnten dies ändern. Doch da der Internationale Schwimmverband Blutkontrollen noch nicht eingeführt hat, wurde Swiss Swimming aktiv und rief zusammen mit Antidoping Schweiz das Projekt «Clean Water» ins Leben. Denn auch in der Schweiz werden die Leistungen eines Sportlers hinterfragt, wenn dieser schneller schwimmt als bis anhin, sagt Barbara Moosmann, Geschäftsführerin des Schwimmverbandes. «Clean Water» solle die Schweizer Schwimmerinnen und Schwimmer in London 2012 von diesem Verdacht befreien und die Dopingprävention fördern: Mit einem Blutpass, der die Daten von vielen, über fast drei Jahre hinweg abgenommenen Blutproben enthält.

Im Rahmen des Projekts, das finanziell durch die Pharmafirma AMGEN unterstützt wird, werden neun Schwimmerinnen und Schwimmer, darunter auch Peking-Teilnehmer Dominik Meichtry, Flori Lang und Swann Oberson, den Dopingkontrolleuren bis London 2012 nicht nur Urin wie bisher, sondern neu auch Blut abgeben. Die Daten werden im persönlichen Blutprofil erfasst und miteinander verglichen.

Der Schwimmverband habe mit «Clean Water» ein Exempel setzen wollen, sagt Moosmann, gerade weil Blutkontrollen im Schwimmen noch nicht etabliert seien. Der Verband stiess bei Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, auf offene Ohren: «Der Schweizer Schwimmverband setzt mit diesem Projekt als Pionier tatsächlich international ein Zeichen.» «Clean Water» sei damit nicht nur ein Forschungs- und Präventionsprojekt, sondern auch ein Vorzeigeprojekt im Schwimmsport.

Blutpass als Beweis für sauberen Sport

Der Blutpass ist in erster Linie ein Instrument, um die schwarzen Schafe in der Sportwelt zu entlarven (siehe Kasten). Aber eben nicht nur: «Der Blutpass soll eine Hilfe sein für die Athleten», sagt Kamber, er gehe immer von einem positiven Menschenbild aus. «Ich möchte primär den Athletinnen und Athleten ein Instrument zur Verfügung stellen, dank dem sie zeigen können, dass sie ihre Leistungen fair erreicht haben – auch gegenüber ihren Sponsoren.» Antidoping Schweiz sei nicht nur Kontrollinstanz, sondern auch Partner für Information, Prävention und Projekte. Das Projekt «Clean Water» sei bei den Schwimmern und Trainern denn auch auf Akzeptanz gestossen.

Flori Lang, Vize-Europameister 2008 über 50 Meter Rücken, sagte gegenüber der Sportwoche: «Ich liebe den Sport. Und weil ich ihn liebe, setze ich mich aktiv im Kampf gegen Doping ein.» Es sei nicht nur ein Kampf gegen Vertrauensmissbrauch, sondern auch «für die Gesundheit der Athleten und die Glaubwürdigkeit des Sports.» Viele der Athleten seien stolz, dank diesem Projekt eine Vorreiterrolle zu spielen, sagt auch Moosmann vom Schwimmverband. Als Gegenzug bietet ihnen Swiss Swimming eine spezifische Olympia-Förderung. Ausserdem können die Athleten die Daten über ihr Blutbild zur Verbesserung ihres Trainings verwenden.

Prävention dank Internet

Neben dem Projekt «Clean Water» geht Swiss Swimming weitere neue Wege in der Doping-Prävention. Als erster Sportverband lancierte der Schwimmverband «Real Winner», das Online-Quiz von Antidoping Schweiz, flächendeckend unter allen Schwimmern. Rund 400 Athletinnen und Athleten, in erster Linie Schwimmer, haben bisher bei diesem webbasierten Ausbildungsprogramm mitgemacht, das mit Video-Modulen den neuen «Welt-Anti-Doping-Code» und dessen Umsetzung in der Schweiz vorstellt. «Uns ist enorm wichtig, dass unsere Sportler sauber sind», sagt Moosmann, «die Kaderathleten sollen sich mit dieser Thematik befassen.»

«Clean Water» als Vorreiter für Blutkontrollen in der Schweiz

Das Projekt «Clean Water» gilt auch als Vorreiter für Blutkontrollen in der Schweiz, die Antidoping Schweiz seit Januar 2010 am einführen ist. Erst die zusätzliche Antidoping-Million des Bundes ermöglichte es, das am Dopinglabor in Lausanne entwickelte Konzept des Blutpasses endlich auch in der Schweiz umzusetzen. «In vielen Ländern ist man bereits weiter als in der Schweiz», sagt Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz.

Auch in einigen Ausdauersportarten, etwa dem Radsport, gehören Blutproben seit ein paar Jahren zum Standard. «Langsam können nun erste Aussagen gemacht werden», sagt Kamber, «erst kürzlich wurden die ersten Athleten dank dem Blutpass wegen Dopings gesperrt.» Blutkontrollen seien damit auf dem Weg zu einem griffigen Instrument der Dopingbekämpfung. «Blutkontrollen haben den Sport bereits verändert und sie werden ihn noch viel stärker verändern», ist sich Kamber sicher.

Denn gerade weil die Einnahme von Doping Einfluss auf den Hormonhaushalt oder die Zusammensetzung des Blutes hat, kann der Blutpass die Einnahme eines unerlaubten Mittels belegen, auch wenn die Substanz nicht nachgewiesen werden kann. Dies gilt beispielsweise für Eigenblutdoping, welches im Urin bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Auch Athleten, die EPO anwenden, sollen in Zukunft durch die Blutproben auffliegen – dank gezielten Urinkontrollen, die der Blutpass ermöglicht. In Zukunft reicht also eine gegebene Wahrscheinlichkeit, um einen betrügenden Sportler aufzudecken. Eine positive Probe wird es nicht mehr brauchen. Die neue Technik werde ein neues Denken im Sport mit sich bringen, sagt Kamber: «Man muss beginnen, verschiene Aspekte langfristig zu beurteilen und sich nicht mehr auf eine einzelne Probe abzustützen.»

Auch in der Schweiz ist der Weg zu Blutkontrollen nun geebnet. Bis Ende 2010 sollen diese in die Schweizer Dopingbekämpfung integriert sein, angestrebt werden dabei 300 bis 400 Kontrollen. Aussagekräftig werden die Blutpässe nach ein bis zwei Jahren sein. Die Erfahrungen und das Know-how, die Antidoping Schweiz nun mit «Clean Water» sammelt, werden bei der Auswertung dieser Daten hilfreich sein.

Mehr Informationen zu «Clean Water» unter www.fsn.ch, http://cleanwater.fsn.ch und zu Antidoping Schweiz unter www.antidoping.ch, www.antidoping.ch/realwinner.