«Von unseren U21-Spielern raucht kein einziger»

130 000 Franken Preisgeld gingen im Rahmen des Wettbewerbs «Sport rauchfrei» 2010 an je 30 Sportteams und –vereine. Auch der FC Thun wurde für sein Engagement für einen Sport ohne Tabak prämiert. Wolfgang Unger, Nachwuchstrainer beim FC Thun und Leiter des Projekts «FC Thun macht Schule», erzählt im Interview, weshalb es für ein Fussballtalent nicht reicht, gut Fussball zu spielen.


      Wolfgang Unger (Mitte) nimmt den Check über 5000 Franken entgegen.

Wolfgang Unger, der FC Thun hat im Rahmen des Wettbewerbs «Sport rauchfrei» 5000 Franken erhalten. Wie werden Sie das Geld einsetzen?

Wir setzen das Geld vollumfänglich für das Projekt «FC Thun macht Schule» ein. In diesem Projekt, das seit vier Jahren läuft, geht es insbesondere um aussersportliche Themen wie Fairplay, Prävention, Kinder- und Jugendschutz oder Schule, Lehre und Beruf. Es richtet sich in erster Linie an unsere Nachwuchsfussballer. Wir wollen damit ihre Persönlichkeit ausserhalb des Fussballs stärken.

Gibt es konkrete Pläne, die Sie dank dem Gewinn umsetzen können?

Es war schon lange ein grosser Wunsch von uns, Werbebanner zu produzieren, die wir für Camps und Schulungsmassnahmen einsetzen können. Dies können wir uns mit dem Geld nun endlich leisten.

Weshalb ist es wichtig, Zigaretten aus dem Sport zu verbannen?

Rauchen schädigt den Körper und die Gesundheit des Sportlers. Gerade im Nachwuchssport ist es wichtig, dies den Jugendlichen zu kommunizieren und sie frühzeitig über die Folgen des Rauchens zu informieren. Sie sollen wissen, was in ihrem Körper passiert. Wir führen regelmässig in Zusammenarbeit mit «cool and clean» und «Sport rauchfrei» Informationsanlässe durch, um den Jugendlichen die Werte dieser Präventionsprogramme zu vermitteln. Sie tragen die Informationen dann weiter und erzählen sie ihren Eltern, ihren Kollegen im Verein und in der Schule – und nehmen damit ihre Rolle als Botschafter und Vorbilder wahr.

Um als «rauchfreier» Verein zu gelten – und damit am Wettbewerb «Sport rauchfrei» teilnehmen zu können – müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden (siehe Kasten). Wie haben Sie diese Bedingungen in ihrem Verein umgesetzt?

Wir befassen uns seit vier Jahren mit dem Thema «rauchfreier Sport», wir haben das Bewusstsein für dieses Thema längst verinnerlicht. «Sport rauchfrei» ist für uns ein sehr wichtiges Thema, das in unserem Ehrenkodex aufgeführt ist, den jeder Spieler unterschreibt, wenn er zu uns kommt. Vereinslokalitäten sind schon lange rauchfrei, wir stellen überall «rauchfrei»-Schilder auf und thematisieren das Problem immer wieder in verschiedenen Projekten. Die Jugendspieler laufen ausserdem immer mit «cool and clean»- und «Sport rauchfrei»-Leibchen ins Stadion. Und im neuen Thuner Stadion wird es einen «coolen and cleanen» «Sport rauchfrei»-Zuschauersektor geben.

Dann mussten Sie für den Wettbewerb keine konkreten Massnahmen ergreifen?

Wir nahmen den Wettbewerb als Anlass, eine neue Schulung in Zusammenarbeit mit «cool and clean» durchzuführen – immer mit dem Ziel, die Committments wirklich umsetzen zu können. Es ist wichtig, dass man diese Präventionsthemen jedes Jahr von Neuem in den Mannschaften diskutiert – sonst gehen Wissen und Sensibilität dafür verloren. Mit regelmässigen Events und Vorträgen können wir dies verhindern.

Sie arbeiten in Thun seit vier Jahren für die Prävention im Fussball. Was hat sich seither verändert beim FC Thun?

Beim FC Thun raucht in der U21 kein einziger Spieler. Dies kann ich sagen, weil die Trainer heute bewusst hinschauen. Früher war es kein zentrales Thema, was die Spieler in ihrer Freizeit machten. Auch treten die Jungs immer aktiver als Botschafter auf.

War es schwierig, die Jugendlichen so weit zu bringen? Gab es Widerstand?

Nein, im Gegenteil: Die Präventionsprojekte kommen hervorragend an. Die jungen Spieler sind stolz, Vorbilder und Botschafter zu sein. Das verlangen wir auch von ihnen: Es reicht für ein Fussballtalent nicht, gut Fussball zu spielen und vom Ziel Profifussballer zu träumen.

Inwiefern?

Sie müssen Verantwortung übernehmen, sich immer wieder mit den Themen auseinandersetzen und diese in die Schulen und Vereine bringen und damit ihre Vorbildfunktion wahrnehmen. Aufklären, nicht nur konsumieren – das ist unser Motto. Das ist nicht immer einfach für sie – wie etwa beim Projekt am Bahnhof Thun: Die jungen Spieler gehen jeweils zu zweit durch den Bahnhof, machten rauchende Menschen auf das Rauchverbot aufmerksam und erklärten ihnen, weshalb Rauchen schädlich ist. Wir ermuntern sie, in der Öffentlichkeit voranzugehen und auf die Menschen zuzugehen, aber das ist nicht einfach.

Fussball ist eine der wenigen Sportarten, bei denen auch viele Profisportler rauchen. Fehlt es dem Nachwuchs an positiven Vorbildern?

Beim Projekt «Sport rauchfrei» machte auch die erste Mannschaft des FC Thun mit und es gibt auch hier nicht viele rauchende Athleten. Aber gerade weil im Fussball viele Vorbilder rauchen, ist es umso wichtiger, frühzeitig bei den Jugendlichen anzusetzen und immer dranzubleiben – mit der Botschaft: «Wir erwarten von Profis, dass sie eine Vorbildfunktion für junge Sportler ausüben.» Nach vier Jahren sind wir auf einem guten Weg.

Wie kam das Preisgeld von «Sport rauchfrei» bei den Jugendlichen an?

Der ganze Verein war sehr stolz. Wir haben in Sachen Präventionsarbeit schon öfter Preise gewonnen, das kommt insbesondere bei den Jugendlichen sehr gut an.

Was tun Sie, damit der FC Thun auch in Zukunft rauchfrei bleibt?

Immer dran bleiben, das ist entscheidend. Wir sind immer auf der Suche nach Projekten und Ideen, wie wir uns im Raum Thun Oberland engagieren können.

«Sport rauchfrei»

«Sport rauchfrei» ist ein Projekt von «cool and clean», dem Präventionsprogramm von Swiss Olympic. Im Rahmen des Wettbewerbs 2010 erhielten je 30 Teams und Vereine einen Siegercheck im Wert von 1000 bis 5000 Franken. 82 Vereine und 607 Teams hatten sich für den Wettbewerb angemeldet.

In der Kategorie «Team» unterschreiben die Teammitglieder einen Ehrenkodex und bezeugen mit ihrer Unterschrift, dass sie sich für einen Sport ohne Tabak einsetzen. In der Kategorie «Verein» müssen die Statuten mit einem entsprechenden Artikel und Anhang ergänzt werden. Die Umsetzung von «Sport rauchfrei» beinhaltet folgende Anforderungen:

  • Tabakfreie Zeit vor, während und nach dem Sport (d.h. eine Stunde vor bis eine Stunde nach dem Sport)
  • Vereinslokalitäten sind rauchfrei
  • Verzicht auf finanzielle Unterstützung durch Tabakfirmen
  • Anlässe werden rauchfrei durchgeführt (Wettkämpfe, Sitzungen inkl. DV/GV, spezielle Anlässe wie Turnerabend, «Chlausehöck», Weihnachtsfeiern, Jubiläen, Vereinslotto)

Der Wettbewerb 2011 läuft seit Anfang Januar. Die Anmeldung ist bis am 31. Dezember 2011 unter www.sportrauchfrei.ch möglich.