Carlo Janka holt Riesenslalom-Gold

Erstellt: 23.02.2010

26 Jahre nach Max Julen hat die Schweiz wieder einen Olympiasieger im Riesenslalom. Der Bündner Carlo Janka, letztes Jahr schon Weltmeister in dieser Disziplin, zeigte auch in Whistler keine Nerven und siegte vor den Norwegern Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal.


Bild: Keystone

In der Abfahrt war mit Didier Défago 22 Jahre nach Pirmin Zurbriggen wieder ein Schweizer Olympiasieger geworden, im Riesenslalom ging nun eine noch längere Zeit des Wartens zu Ende. Was Michael von Grünigen, dem im Weltcup mit 23 Siegen besten Schweizer Riesenslalom-Fahrer aller Zeiten, immer versagt geblieben war, glückte Carlo Janka, dem Mann mit den stählernen Nerven.

Carlo Janka spielte in Whistler einmal mehr seine vielleicht stärkste Qualität aus. Der 'Iceman' aus dem Bündnerland bleibt dann ruhig, wenn andere die Nerven wegschmeissen. Selbst der 'tote' Frühlingsschnee, wie er die von ihm nicht sehr geliebte Unterlage auf der Piste Dave Murray bezeichnete, hinderte ihn nicht daran, letztlich halt doch noch zuzuschlagen. Janka kam mit den besonderen Gegebenheiten von Tag zu Tag besser zurecht. "Ich sehe, dass es funktioniert auf diesem Schnee", durfte Janka bereits nach dem ersten Lauf feststellen.

Konstante Steigerung zu Gold

Der 23-Jährige aus Obersaxen sah seine konstante Steigerung von Rennen zu Rennen letztlich mit einer vedienten Auszeichnung belohnt. Elfter in der Abfahrt (0,62 Sekunden zurück), Achter im Super-G (0,18), Vierter in der Super-Kombination (0,22), und nun Gold im Riesenslalom.

Wie er sich dann im zweiten Durchgang behauptete, war schlicht Weltklasse. Als einziger konnte er den Norweger Kjetil Jansrud, der nach dem ersten Lauf lediglich an 11. Stelle gelegen hatte, noch abfangen. Das nahm selbst der so coole Janka nicht ganz emotionslos zur Kenntnis. Gleich beide Hände reckte er in die Luft -- auf Janka umgemünzt war das schon fast Euphorie pur.

"Nach dieser Woche mit den Rückschlägen kam dieser Sieg selbst für mich unerwartet", sagte Janka hinterher. "Ich bin froh, dass es mir doch noch aufging. Die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Lauf kam mir ewig vor. Doch ich dachte daran, dass ich es packen kann. Es ist schon etwas ganz anderes als die WM in Val d'Isère. Einfach super! Olympiasieger... Ich weiss noch gar nicht, was es damit auf sich hat. Es ist aber schon mehr wert als ein WM-Titel."

Wenn Janka einmal führt, ist er nur schwer zu bezwingen. Im Vorjahr auf seinem Weg zum WM-Titel hatte Carlo Janka bei Halbzeit schon fast alles klar gemacht. Damals lag er 48 Hundertstel vor Benjamin Raich. Diesmal aber hätte sich die Ausgangslage bei Halbzeit spannender kaum präsentieren können. Mit Janka, Baumann, Svindal, Blardone und Hirscher lagen fünf Fahrer lagen innerhalb von 21 Hundertsteln, nicht weniger als 13 Akteure verloren weniger als eine Sekunde.

Janka war vor dem zweiten Lauf der einzige Schweizer Anwärter auf eine Medaille. Die restlichen drei Schweizer sahen sich bereits zur Pause entscheidend distanziert. Didier Cuche reichte es zum 14., Sandro Viletta zum 15. Schlussrang, Marc Berthod schaffte lediglich Rang 29.

Bittere Enttäuschung für Cuche

Didier Cuche blieb eine bittere Enttäuschung nicht erspart, und gleichzeitig vergab er die letzte Chance, seine grosse Karriere mit einem Olympiasieg zu krönen. Eigentlich vergab der Neuenburger seine Möglichkeit schon vor dem zweiten Lauf: "Ich bin beim Einfahren gestürzt, ähnlich schwer wie in Val d'Isère vor Weihnachten. Obwohl ich mich nicht verletzte, war ich danach schockiert, und der erste Lauf und damit der Tag war eigentlich schon gelaufen." Cuche verlor im ersten Lauf knapp eineinhalb Sekunden, was lediglich zum 21. Zwischenrang reichte, im zweiten Durchgang folgte immerhin eine Verbesserung um sieben Ränge.

Der Druck, den er sich selbst auferlegt hatte, war offensichtlich zu gross. Von der Lockerheit, mit der er zuletzt im Weltcup aufgetreten war, war in Whistler kaum mehr etwas zu spüren, mit Kampf und Krampf gab es nichts zu holen. Nach dem ersten Lauf mochte Cuche deshalb mit niemandem reden. Die Ränge 6 (Abfahrt), 10 (Super-G) und 14 (Riesenslalom) entsprachen eben wirklich nicht dem, was sich der 35-jährige Routinier erhofft hatte.

Sandro Viletta, erst am Vortag in die Schweizer Mannschaft gerutscht, war bei Halbzeit als 14. zweitbester Schweizer, allerdings mit bereits 1,10 Sekunden Rückstand. "Zu wenig rund gefahren" sagte der Bündner zu seiner Fahrt im ersten Lauf. Eine Steigerung gelang ihm auch im zweiten Lauf nicht.

Marc Berthod konnte seine Fehlerquote noch weniger tief halten. Einem guten Start folgten im ersten Lauf gleich mehrere Patzer. Als 25. des ersten Laufes war für ihn schon bei Halbzeit nichts Zählbares mehr möglich. Im zweiten Durchgang folgte nochmals ein ganz grober Fehler.

Curling

Die Schweizer Curlerinnen um Skip Mirjam Ott haben dank Siegen gegen Japan und Deutschland vorzeitig die Halbfinals erreicht. Sie treffen dort am Donnerstag auf Kanada. (si)


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