«Volunteers sind das Fundament des Schweizer Sports»

Die Plattform Swiss Olympic Volunteer bringt Sportveranstalter und Ehrenamtliche auf der Suche nach dem nächsten Einsatz zusammen. Projektleiter Cyrille Saladin erklärt im Gespräch, wie er dem Ehrenamt mit dem Programm zu mehr Anerkennung verhelfen will.

 


Cyrille Saladin, wann haben Sie zuletzt ehrenamtlich gearbeitet?

Als SAC-Jugendleiter und Kunstturn-Trainer bin durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Woche ehrenamtlich engagiert.

Am 1. Januar startete die Bewegung Swiss Olympic Volunteer, eine Datenbank, auf der sich Freiwillige wie auch Veranstalter und Vereine registrieren können (siehe unten). Weshalb braucht es eine solche Plattform?
Es gibt viele Leute, die sich im Sport-Eventbereich freiwillig engagieren möchten und nicht wissen, wo sie sich melden können – wir haben immer wieder solche Anfragen erhalten. Die Basis der Datenbank entstand mit dem Engagement von Swiss Olympic bei der Koordination der Freiwilligen des Gigathlon, der UEFA EURO 2008 (3500 Volunteers) und der Eishockey-WM 2009 (1300 Volunteers). Damit wir mit unserer Datenbank alle Freiwilligen erreichen, wurde die Software auch auf die Bedürfnisse von Vereinen – etwa vereinfachte Mitgliederverwaltung und Trainings- und Wettkampfaufgebote – angepasst. Das Potenzial ist riesig – es kann gar nicht beziffert werden.

Das Programm will – neben der vereinfachten gegenseitigen Suche zwischen Volunteers und Veranstaltern und Vereinen – dem Ehrenamt mehr Anerkennung bringen. Wird Freiwilligenarbeit in der Schweiz zu wenig geschätzt?
Geschätzt wird die Freiwilligenarbeit schon, doch ihre Anerkennung ist noch zu gering. Es wird unterschätzt, wie gross das Ausmass der ehrenamtlichen Arbeit in für den Schweizer Sport ist: Insgesamt sind 630 000 Ehrenamtliche in Sportvereinen sowie bei Eventveranstaltungen im Einsatz, jährlich leisten sie über 75 Millionen Arbeitsstunden. Volunteers sind das Fundament des Schweizer Sports. Würde man ihre Arbeit mit 40 Franken pro Stunde entschädigen, käme man auf einen Betrag von über 3 Milliarden Franken pro Jahr! Ohne Ehrenamt gäbe es den Schweizer Sport in der heutigen Form nicht.

Wie wird Swiss Olympic Volunteer dem Ehrenamt zu mehr Anerkennung verschaffen?
Sowohl Event- wie auch Vereins-Volunteers können sich bei uns registrieren und für ihre Tätigkeit im Verein oder an Events Punkte sammeln, ähnlich wie bei den Punkteprogrammen der Grossverteiler oder der Fluggesellschaften. Diese Punkte sind Entschädigungen für ihre wertvolle Leistung und können in unserem Shop eingelöst werden, zum Beispiel gegen eine Outdoor-Jacke oder ein VIP-Ticket für den Skiweltcup in Adelboden. Dies soll den Volunteers zusätzlichen Ansporn geben.

Ist Swiss Olympic Volunteer also eine Notmassnahme gegen das Vereinssterben?
Unser Programm kann dem Trend, dass sich immer weniger Leute längerfristig für einen Verein ehrenamtlich einsetzen wollen, nicht entgegenwirken. Aber wir können sie motivieren, ehrenamtlich tätig zu sein. Grundsätzlich ist die Nachfrage nach ehrenamtlichen Tätigkeiten nach wie vor gross, viele Leute wollen sich jedoch nicht mehr an einen Verein binden – sie wollen lieber bei einem Event mitwirken, mit einem kurzfristigen Engagement ohne weitere Verpflichtungen. Vereinsarbeit soll deshalb höher bewertet und somit stärker honoriert werden.

Wird man künftig also nur noch ehrenamtlich arbeiten, wenn man dafür Punkte erhält?
Es wird sicher Event-Hopper geben, die möglichst viele Punkte sammeln wollen. Aber das ist auch gut so. Denn die Engagements kommen sowohl dem Sport wie auch den Volunteers zugute: Die Jobs geben ihnen neben dem speziellen Erlebnis zum Teil auch Genugtuung, und: als Freiwilliger sammelt man gute Referenzen und lernt neue Leute kennen. Das Programm hat damit auch einen sozialen Aspekt. Wir wollen jedoch keine anderen Freiwilligen-Programme konkurrenzieren – wir wollen lediglich eine Plattform bieten, auf der sich Volunteers, Veranstalter und Vereine suchen und finden können. Zudem profitieren die Vereine von unserem Know-how und dem Netzwerk der Volunteers.

Wer ist der typische Volunteer?
Den typischen Volunteer gibt es nicht. Dies ist gerade das Spannende. Personen aus unterschiedlichen sozialen Schichten treffen sich und arbeiten zusammen. An der Eishockey-WM waren vom Mediensprecher einer grossen Schweizer Firma über den Pensionierten bis zu Sozialdienstempfängern alle im Einsatz. Die Personen, die diese Leistung erbringen, sollten honoriert werden. Wir streben an, dass regionale Sportlerpreise künftig auch an freiwillige Helfer gehen. In Thun wird nächstes Jahr neben dem Thuner Sportler auch der Volunteer des Jahres mit einem Preis geehrt – jene Person, die den grössten freiwilligen Einsatz geleistet und am meisten Punkte gesammelt hat.

Mit dem Riesen-Event «14th World Gymnaestrada Lausanne 2011» konnte Swiss Olympic Volunteer einen grossen Fisch an Land ziehen – hat das Programm in der Sportwelt eingeschlagen?
Das Feedback ist sehr positiv, die Nachfrage gross. Zum jetzigen Zeitpunkt haben sich bereits rund 10'000 Personen in der Datenbank registriert, unser Ziel bis Ende 2012 sind 40'000 Volunteers. Auch auf der Seite der Veranstalter war das Echo gross: Endlich können sie ihren Helfern etwas zurückgeben und sie vielleicht sogar in den Verein, häufig der Organisator einer Sportveranstaltung, einbinden. Viele Veranstalter und Vereine können nicht nur vom Datenpool profitieren – die Gymnaestrada etwa benötigt 4000 bis 5000 Volunteers –, sondern auch von der Software, die wir ihnen anbieten, zum Beispiel für den Einsatzplan und die Kommunikation mit den Volunteers.

Swiss Olympic Volunteer ist eine Datenbank, in der sich Personen, die sich ehrenamtlich im Schweizer Sport engagieren oder dies tun möchten, registrieren können. Sobald sie ein Profil haben, werden sie über neue Events informiert und können sich für Veranstaltungen anmelden. Für jeden Einsatz erhalten sie Punkte, die sie im Volunteer-Shop einlösen können. Swiss Olympic Volunteer finanziert sich dank dem Leading Partner Erdgas zu 100 Prozent selbst. Gigathlon, das Beachvolley-Turnier «Grand Slam Gstaad», die Eiskunstlauf-EM, das Radrennen Tortour, der Super10Kampf und die Sportnacht Basel nutzen Swiss Olympic Volunteer bereits für ihre Helferadministration. Mehr Informationen unter www.swissvolunteer.ch.