«Jetzt können wir systematische und qualitativ gute Blutkontrollen einführen»

Der Bund wird ab nächstem Jahr eine Million Franken mehr als bisher in die Dopingbekämpfung investieren. Die Stiftung Antidoping Schweiz erhält damit dringend benötigte, zusätzliche Mittel, um eine glaubwürdige Bekämpfung von Dopingmissbrauch betreiben zu können. Im Interview gibt Matthias Kamber, Direktor Stiftung Antidoping Schweiz, darüber Auskunft, wie dieses Geld eingesetzt wird, warum dieser Schritt so wichtig ist und warum die Zusammenarbeit mit Swiss Olympic wichtiger wird.

Matthias Kamber, mit diesem zusätzlichen Beitrag hat Antidoping Schweiz für das kommende Jahr ein Budget von rund fünf Millionen Franken. Wie werden diese zusätzlichen Gelder eingesetzt?

Wir werden damit hauptsächlich vier Bereiche ausbauen. Zuerst können wir systematische und qualitativ gute Blutkontrollen einführen. Als zweites werden wir mehr zielgerichtete Trainingskontrollen mit Urin durchführen. Dann wird die Forschung und Entwicklung bei den Blutprofilen intensiviert werden können und schlussendlich erweitern wir die begleitenden Informations- und Präventionsmassnahmen und die Zusammenarbeit mit den Verbänden.

Wo steht die Schweiz damit im internationalen Vergleich?

Wir können nun eine gute Ausgangslage schaffen. Bei den Blutkontrollen und -profilen schliessen wir die entstandene Lücke zum Ausland. In der Schweiz arbeiten wir qualitativ sehr gut und deshalb können wir mit diesen zusätzlichen Mitteln jetzt eine solide Basis schaffen. Wir haben die Bluttests nicht bereits früher als Alibi eingeführt, sondern erst jetzt, wo wir diese qualitativ gut machen können.

Warum sind die Bluttests so wichtig?

Es gibt vor allem zwei Gründe. Erstens sind Bluttests ein Schutz für die Athleten und zweitens können gewisse Dopingmittel wie beispielsweise CERA im Blut viel besser nachgewiesen werden. Bluttests sind eine Ergänzung zu den Urintests und werden diese nicht ersetzen.
Mit den Blutprofilen kann man über längere Zeit schauen, wie stabil ein Blutbild für einen Athleten ist. Man kann also einen Athleten mit sich selber vergleichen und nicht nur mit der Gesamtbevölkerung. Wenn er manipuliert, kann man ihn mit seinen eigenen Werten vergleichen und schauen, ob etwas nicht stimmt. Der Athlet kann aber mit dem Blutprofil auch zeigen - und das finde ich ganz zentral -, dass er seine Leistungen sauber gemacht hat. Er kann sein Blutprofil offenlegen und publizieren. Bisher konnte nämlich ein Athlet im Ausdauersport nur schwer beweisen, dass er sauber ist. Das wird jetzt möglich.

Von welchen Athleten wird ein Blutprofil erstellt?

Wir können natürlich nicht von allen Athleten ein Blutprofil erstellen. Der Schwerpunkt wird bei gewissen Ausdauersportarten mit erhöhtem Risiko von Blutmanipulationen gesetzt. Nebst Elite-Athleten werden teilweise auch einige Proben von Nachwuchsathleten gemacht. In Zukunft muss in diesem Bereich mehr mit dem Nachwuchskader der Verbände und von Swiss Olympic zusammengearbeitet werden. Damit können wir mit den gleichen Sportlern ein Blutprofil aufbauen, welche auch von den Nachwuchsverantwortlichen als potentielle zukünftige Spitzenathleten gefördert werden. Die Zusammenarbeit wird also wichtiger, damit wir schon von Beginn an auf die richtigen Sportler setzen. In diesem Bereich sehe ich ein noch grosses Potential.

Wie sieht es mit der Aufdeckung von Gendoping aus?

Die WADA hat im Moment verschiedene Projekte, bei denen wir nicht direkt involviert sind. Wir haben aber in die Prävention in diesem Gebiet investiert. Wir müssen uns jetzt zuerst auf den Aufbau von Blutkontrollen konzentrieren und Kontrolleure ausbilden, das ist eine grosse Arbeit. Der Rest kommt dann später.

Wie geht die Entwicklung weiter, wie lange reichen die momentanen Mittel?

Die Million des Parlaments ist aktuell für ein Jahr gesprochen. Jetzt ist das Ziel, dass dies nachhaltig wird, damit eine langfristige Planung möglich wird. Wenn das System einmal aufgebaut ist, können wir das auch internationalen Verbänden in der Schweiz anbieten und wieder Geld damit zurück holen. Internationale Verbände sind für Blutkontrollen heute oft auf private Firmen angewiesen, weil Antidoping Schweiz diesen Service heute noch nicht anbieten kann.