Die Olympische Bewegung in der Schweiz

Erstellt: 06.11.2008


Die Beziehung zwischen der Eidgenossenschaft und der olympischen Bewegung ist mindestens 112 Jahre alt, war aber zu Beginn eher lose. Der Turner Louis Zutter aus Neuenburg reiste 1896 privat nach Athen und gewann als erster Schweizer an Olympischen Spielen der Neuzeit eine Goldmedaille.

Dieser Erfolg wurde von den Schweizer Medien und seinen Landsleuten aber kaum wahrgenommen. Auch nach der Jahrhundertwende war der olympische Geist in der Schweiz eher ein laues Lüftchen. Nur dank Julius Wagner war die Schweiz 1908 und 1912 an den Olympischen Spielen überhaupt vertreten. Das fehlende Interesse an den Spielen war mit der Schweizer Tradition zu erklären: Schiessen, Skifahren, Reiten und Gymnastik innerhalb der nationalen Verbände galten als wichtiger. Turnen hatte in der Schweiz vorab die staatsbürgerliche Aufgabe, junge Menschen zu erziehen.

Als das Schweizer IOC-Mitglied Godefroy de Blonay 1912 das «Schweizerische Olympische Comité» (SOC) gründete, war es noch ein rein französischsprachiges Gremium. Auch mit dem Umzug des IOC 1916 nach Lausanne blieb der Enthusiasmus für die olympische Bewegung – vor allem in der Deutschschweiz - sehr gering. Das Umdenken erfolgte 1920.

Unter Blonay schickte die Schweiz mit 77 Athleten erstmals hinter der Schweizer Flagge eine geschlossene Delegation an die Olympischen Spiele nach Antwerpen. 1923 unterschrieb der «Schweizerische Landesverband für Leibesübungen» (SLL) einen Vertrag, der das SOC beauftragte, Teilnehmer für die Olympischen Spiele auszuwählen und Delegationen zusammenzustellen.

Diese neue Form brachte die ersten Erfolge mit sich: 1924 holte die Schweiz in Paris 24 Medaillen, 1928 in Amsterdam 17. Die grössten Erfolge feierten die Athleten in den traditionsreichen Disziplinen Gymnastik, Schiessen, Rudern und Ringen.

Ab den 1930er-Jahren färbte sich der Schweizer Sport – wie im restlichen Europa auch – patriotisch und wurde vorwiegend zur Mobilisierung der Jugend eingesetzt. 1944 wurde in Magglingen die Eidgenössische Sportschule mit dem Ziel gegründet, die physischen Leistungen der Soldaten zu verbessern.

In den Nachkriegsjahren wich diese militärische Ausrichtung einer wissenschaftlichen: Das Institut für Sportwissenschaften wurde 1967 gegründet. 1970 erhielt der Sport einen Platz in der Bundesverfassung, 1972 wurde ein Bundesgesetz zur Förderung von Gymnastik und Sport verabschiedet. «Jugend und Sport» (J+S) wurde gegründet und der Frauensport gezielt gefördert.

1997 fusionierten der «Schweizerische Landesverband für Sport» (SLS) und das SOC zum SOV, dem «Schweizerischen Olympischen Verband». 2001 gab sich der SOV den heutigen Namen «Swiss Olympic Association». Heute hat Swiss Olympic als Dachverband das oberste Ziel, seine 83 Sportverbände zu fördern und zu unterstützen. Gleichzeitig selektioniert Swiss Olympic die Spitzensportler für die Olympischen Spiele und leitet die Olympia-Delegationen vor Ort.


«…for the SPIRIT of SPORT»

«Weltfrieden, Völkerfreundschaft, soziale Gerechtigkeit, Reformation des Bildungswesens, Sport für alle» – dies waren die hochgesteckten Ziele, die der Humanist Pierre de Coubertin mit der olympischen Bewegung anstrebte. Als Nationales Olympisches Komitee trägt Swiss Olympic zur Umsetzung dieser Ziele bei und bietet eine Reihe von ethischen Programme, die sich an Sportvereine und Sportveranstalter richten.

«cool and clean» ist das grösste Präventionsprogramm im Sport und engagiert sich besonders gegen Doping-, Drogen-, Tabak- und Alkoholmissbrauch im Jugendsport. Das Programm «Keine sexuelle Übergriffe im Sport» und die Umweltplattform «ecosport.ch» sind weitere Engagements.

Zudem werden unter dem Begriff «Olympic Spirit» seit einigen Jahren die olympischen Werte des IOC in Schulen und Universitäten vermittelt und so in der Schweizer Bevölkerung verankert.

Der Leitsatz «…for the SPIRIT of SPORT» erinnert daran, dass Sport vom guten Sportsgeist lebt. Er fasst zusammen, was die Ethik-Charta des Schweizer Sports fordert. Ihre sieben Prinzipien für gesunden, respektvollen und fairen Sport sind heute für alle Sporttreibenden in der Schweiz mehr denn je eine Verpflichtung.


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