Davos/St. Moritz als mögliche Olympia-Kandidatur

Erstellt: 12.08.2011

Davos/St. Moritz hat den Zuschlag als allfällige Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 bekommen. Der Exekutivrat von Swiss Olympic entschied sich mit 8:4 Stimmen für die Bündner Bewerbung und gegen jene von Genf/Waadt/Wallis.

Nationalrat Tarzisius Caviezel, Vorsitzender der Arbeitsgruppe der Bündner Kandidatur, zeigte sich vom Entscheid «sehr erfreut» und stellte in Aussicht, dass die weiteren Arbeiten am Dossier bereits ab kommendem Montag vorangetrieben würden. Die beiden einzigen Winterspiele in der Schweiz hatten 1928 und 1948 ebenfalls in St. Moritz stattgefunden. Die bislang letzten olympischen Bemühungen aus dem Bündnerland waren 2002 gescheitert, als Swiss Olympic etwas überraschend der (später in einer kantonalen Abstimmung kläglich gescheiterten) Kandidatur «Bern 2010» den Vorzug gab.

Lehren gezogen

Aus dem damaligen Fiasko hat man auf breiter Ebene die Lehren gezogen. Diesmal hat sich Swiss Olympic zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt auf einen einzigen Kandidaten festgelegt. Im Mai 2013 wird die Bewerbung Davos/St. Moritz nur dann beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden, wenn sämtliche innenpolitischen Hürden gemeistert sind - nicht zuletzt die finanziellen.

Mit dem gestrigen Entscheid im Haus des Sports in Ittigen ist die Schweizer Kandidatur noch keine beschlossene Sache. Entscheiden wird das Sportparlament an einer ausserordentlichen Sitzung am 27. April 2012. Vergeben werden die Spieleschliesslich im Juni 2015 an der Vollversammlung des IOC.

Knapper Entscheid

Es sei eine knappe Entscheidung gewesen, sagte Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild vor den Medien. Knapper noch, als es im Abstimmungsergebnis zum Ausdruck komme. «Genf hat dem Exekutivrat eine sehr gute Präsentation vorgeführt. Der Entscheid ist nicht leicht gefallen.» Mit Genf hätte die Schweiz eine «graue» Host City mit internationalem Renommee ins Rennen geschickt, die sich nicht grundsätzlich von anderen möglichen Kandidaturstädten wie Denver oder München unterscheiden würde.

Eine weisse Bewerbung

Davos/St. Moritz dagegen wäre eine «weisse» Bewerbung - Austragungsorte, an denen die Olympier unter Präsident Jacques Rogge umsetzen könnte, was sie injüngster Zeit öfters angetönt haben: Abkehr vom olympischen Gigantismus, Winterspiele an Orten, an denen die Berge und der Schnee die herbeigesehnte Stimmung à la Lillehammer 1994 ermöglichen. Er würde lügen, wenn er sagen würde, der Name Lillehammer sei an den Planungssitzungen und im Exekutivrat nicht öfter gefallen, sagte Schild. Letztlich habe sich der Exekutivrat nun für das Dossier entschieden, mit dem er sich im zu erwartenden harten Wettbewerb die grösseren Chancenausrechne.

München wäre immer noch Konkurrent

Weisse Spiele, kurze Wege - dies ist der Leitgedanke, auf dem Swiss Olympic, aber auch der Bund respektive das Bundesamt für Sport (Baspo) die Kandidatur aufbauen wollen. Davos/St. Moritz erfüllt die Maxime vollauf. Nach dem Zuschlag für das südkoreanische Pyeongchang und die Ablehnung von München für die Olympischen Spiele 2018 ist mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass München für die Spiele 2022 einen neuen Anlauf nehmen wird. Somit würden abermals zwei valable Kandidaturen aus dem Alpenraum vorliegen - und München könnte darauf hoffen, dank einem «Mitleids-Bonus» die meisten Stimmen zu bekommen.

Schweiz mit Trumpf

Für Jörg Schild wie für Tarzisius Caviezel müssen derlei Spekulationen kein Hinderungsgrund für eine hoffnungsvolle Schweizer Kandidatur sein. Schild: «Bei der Abstimmung im IOC können jeweils noch im letzten Moment die verschiedensten Gründe eine entscheidende Rolle spielen. Manchmal ist es fast eine Lotterie.» Caviezel baut darauf, dass der Leitgedanke der «weissen Spiele» ein Trumpf sein wird und dass sich Davos/St. Moritz als Alternative von den übrigen Kandidaten abheben wird. (si)


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