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Ausbildung/Beruf und Sport am Beispiel des Schweizer Fraueneishockey-Nationalteams

Erstellt: 03.01.2011

Im Rahmen eines Länderspiel-Zusammenzuges wurden den Spielerinnen des Eishockey-Nationalteams Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Leistungssport mit Schule/Ausbildung besser koordiniert werden kann. Vertreter von Swiss Olympic und der Schweizer Armee informierten die Athletinnen über die Möglichkeiten, die sie zu bieten haben. Die Swiss Olympic Athletes Commission war mit dabei und fasst die wichtigsten Punkte nochmals zusammen.

Ausgangslage

Nach den Teilnahmen an den Olympischen Spielen in Turin und Vancouver strebt das Fraueneishockey-Nationalteam auch eine Qualifikation für «Sochi 2014» an. Die Aufgabe wird aber immer schwieriger, denn bei den direkten Konkurrenten China, Japan, Deutschland, Slowakei, Russland und Kasachstan ist mindestens ein Teil der Spielerinnen Halb- bis Vollprofis. Sie brauchen sich neben dem Sport nicht um das Einkommen zu kümmern.


Das Nationalteam an den Olympischen Spielen von Vancouver 2010

Und wie sieht es bei den Schweizerinnen aus? Das Nationalteam besteht aus rund 27 Spielerinnen. Die Jüngste ist 17 Jahre alt, die älteste 30, und keine einzige von ihnen wird für den Einsatz auf dem Eis entlöhnt. Vier Spielerinnen fanden über den eigenen Hockeyclub Zugang an eine Sportschule, drei besuchen ein normales Gymnasium, fünf absolvieren eine Berufslehre ebenfalls mit normalem Pensum, nochmals drei studieren an Schweizer Hochschulen wiederum im normalen Pensum.

Nur gerade fünf Athletinnen können unter nahezu optimalen Bedingungen Studium und Sport verbinden. Sie studieren aktuell in den USA. Die noch verbleibenden sieben Spielerinnen haben die Berufsausbildung abgeschlossen und arrangieren sich mit ihren Arbeitgebern individuell. Aufgrund häufiger Absenzen oder einer Teilzeitanstellung müssen sie zum Teil erhebliche finanzielle Einbussen hinnehmen.

Sport als Lebensschule

Der Gewinn einer Olympia-Medaille hat wohl für jeden Athleten seinen Reiz. Der Weg dorthin verlangt aber meist viel Opferbereitschaft, Eigeninitiative und Durchhaltewillen und am Ende erreichen nur wenige das angestrebte Ziel. Wer den Weg des Sportes einschlägt, der wählt einen steinigen Weg. Es kann aber auch ein Weg mit vielen positiven Emotionen sein, der einem einmalige Erfahrungen ermöglicht. Sport gilt als Lebensschule, in der die Athleten Zielstrebigkeit, Zeitmanagement und Teamfähigkeit lernen können. Eigenschaften also, welche im späteren Berufsleben in der Wirtschaft durchaus gefragt sind.

Viele der nachfolgenden Informationen und Hinweise finden sich unter www.swissolympic.ch

Start zur Sportkarriere

Unterstützung auf dem Weg zu Olympia-Gold oder einem Weltmeistertitel ist in erster Linie aus dem direkten Umfeld des Athleten gefragt. Die Eltern werden von Beginn weg einen Grossteil dieser Unterstützung übernehmen müssen, zeitlich und finanziell
Zeichnet sich das besondere Talent eines Sportlers ab, ist für den nächsten Schritt, neben dem weiteren unermüdlichen Engagement des Athleten und seiner Eltern, der eigene Klub gefragt.

Individuelle Förderung durch zusätzliche Trainingsmöglichkeiten und/oder eine Nomination ins nächsthöhere Trainingskader unter gut ausgebildeten Trainern bietet sich an. Im Weiteren sollte über den Sportklub die Verbindung zum Verband hergestellt werden, um den Athleten allenfalls für ein regionales oder gar nationales Auswahlteam anzumelden. In jedem Verband findet sich auch ein Athletenbetreuer. Dieser kann die Sportlerinnen und Sportler bei der Suche nach optimalen Lösungen und deren Umsetzung in der Abstimmung von Sport, Ausbildung/Beruf, sozialem Umfeld und weiteren Bereichen unterstützen.

Der Athletenbetreuer kann aber auch über Anforderungen und Chancen zur weiteren Entwicklung in der jeweiligen Sportart informieren. Auf dieser Nachwuchsleistungsstufe werden bereits die ersten Swiss Olympic Cards vergeben (Swiss Olympic Talents Card), durch welche den Sportlern bestimmte Unterstützungsformen und Förderungen vermittelt werden.

Swiss Olympic Label Schulen

Auszug aus den Richtlinien für die Vergabe von Swiss Olympic - Qualitätslabel an Bildungsinstitu-tionen mit einem spezifischen Sportfördermodell: «In Bezug zur schulischen Ausbildung hat Swiss Olympic die beiden Label ‹Swiss Olympic Sport School› und ‹Swiss Olympic Partner School› geschaffen. Hochwertige Bildungsinstitutionen mit spezifischen Sportfördermodellen welche sich für die zielgerichtete Förderung von aktuellen und zukünftigen Weltklasse-Athleten einsetzen werden von Swiss Olympic zertifiziert. Diese Label-Schulen positionieren sich als die Kompetenzzentren für das Zusammenwirken von Bildung und Leistungssport in der Schweiz: eine Swiss Olympic Sport School bietet eine ganzheit-liche Entwicklung im schulischen und sportlichen Bereich an, eine Swiss Olympic Partner School stimmt Ausbildung und Leistungssport optimal aufeinander ab.

Mit einem höchst flexiblen Ausbildungsangebot wird den Athleten ermöglicht, ein Training von hohem Umfang zu absolvieren. Eine Swiss Olympic Label-Schule sorgt zudem mit gezielten Unterstützungsleistungen dafür, dass die Verträglichkeit der schulischen Anforderungen mit dem hohen Engagement der Talente im Sport gegeben ist, ohne dass Zugeständnisse hinsichtlich der schulischen Leistungsanforderungen gemacht werden. Durch eine spezielle Koordinationsfunktion stellt jede Schule sicher, dass die Abstimmung zwischen Schule und Leistungssport in optimaler Form erfolgen kann und sie ermöglicht dadurch eine ausgewogene Zeitplanung.»

Die Aufnahme von Sportlerinnen und Sportlern an solche Schulen erfolgt nach klaren Selektionskri-terien. Genauere Informationen dazu finden sich hier.

Swiss Olympic Athlete Career Programme

Beim «Swiss Olympic Athlete Career Programme» können Athleten von Dienstleistungen für eine gezielte Karriereplanung in Sport und Beruf während des Nachwuchsleistungs- und Spitzensport-karriere sowie für die Zeit danach profitieren. Dazu gehören Hilfestellungen zur Eingliederung in die Berufswelt nach der Spitzensportkarriere, Hilfestellung bei der Stellenvermittlung und Beratung in allen Bereichen des Umfeldmanagements.

Mit Hilfe dieses Angebotes fand unter anderem auch Eishockeyspielerin und Olympiateilnehmerin Stefanie Marty bereits zum wiederholten Male eine Praktikumsstelle im Sommer, welchen sie jeweils nicht an der Universität in Amerika, sondern bei ihren Eltern in der Schweiz verbringt. Lest dazu den Bericht auf http://athlete.adecco.com/AthletesStories/Pages/StefanieMarty.aspx und ihre Aussagen am Ende dieses Textes.

Spitzensportförderung in der Armee

Neben der Unterstützung durch Swiss Olympic auf schulischer und beruflicher Basis können alle Sportler auch von der Spitzensportförderung der Armee (Spitzensport-RS und Spitzensport-WKs) profitieren. Hier sollten sich auch Frauen nicht abschrecken lassen, denn bei genauem Hinsehen kann sich daraus eine Chance zur optimalen Olympiavorbereitung ergeben.
Das Konzept Spitzensportförderung der Armee verbindet das Training auf Spitzensportniveau optimal mit der Dienstpflicht. Qualifizierte Athleten und Athletinnen aus allen Militäreinheiten profitieren von speziellen Freiräumen für ihr Training.

34 Athletinnen und Athleten des Schweizer Olympiateams für Vancouver 2010 wurden und werden von der Armee unterstützt und bereiteten sich in den letzten Wochen und Monaten auch in Magglingen auf die Olympischen Spiele vor. Die Bekanntesten unter ihnen sind die beiden Olympi-asieger Simon Ammann (Skispringen) und Dario Cologna (Langlauf).
Nähere Informationen und Anforderungsbedingungen finden sich hier.

Unterlagen und weitere Informationen

Zum Thema Schule/Ausbildung und Leistungssport liegen im Internet viele Informationen bereit. Abrufen, einfordern und umsetzen muss sie der Sportler auf dem Weg zur Goldmedaille am Ende aber selbst.

Orientierung und Wegweisung bieten weiter auch folgende von Swiss Olympic herausgegebenen Broschüren (können bestellt werden per E-Mail an info@swissolympic.ch):

«Fit für den Spitzensport»
«Junge Sporttalente auf dem Weg an die Spitze – Hinweise für Eltern»
«Schulangebote für Sporttalente – Leistungssport und Ausbildung»

Monika Leuenberger, Swiss Olympic Athletes Commission


Das sagt Eishockeyspielerin Stefanie Marty (22, Studentin in Finanzwissenschaften an der Universität Syracuse, USA) zum Angebot von Swiss Olympic bezüglich Ausbildung und Sport:

«Ich erfuhr vom Athlete Career Programme durch Swiss Olympic, als ich mich über das Studium in den USA informierte. Matthias Zurbuchen sagte mir, es gäbe sicherlich eine Möglichkeit, dass Swiss Olympic mir bei einer Praktikumssuche im Sommer jeweils helfen könne. Ich hatte erwähnt, dass ich wahrscheinlich die drei Monate im Sommer jeweils zu Hause verbringen würde und dies mit einem Praktikum verbinden möchte.

Als es dann soweit war, meldete ich mich bei Matthias und Claudia Kaufmann (Project Manager Athlete Career Programme Adecco) und sie vermittelte mich dann zweimal intern.

Ich denke, dass ich dadurch viel Berufserfahrung gesammelt habe. Die beiden Praktika haben mir gezeigt, wo meine Interessen liegen, was ich gut und was ich nicht so gut kann, und was ich beruflich einmal machen möchte. Ich konnte auch sehr viel über die Arbeitswelt lernen, mich selbst weiterentwickeln und wichtige Kontakte für die Zukunft knüpfen.

Ich konnte zweimal super Erfahrungen machen. Durch meine Ausbildung und mein Interessengebiet war es relativ einfach, mich intern zu vermitteln. Ich weiss jedoch nicht, wie dies wäre, falls ich ein anderes Studium absolvieren würde oder falls ich eine Festanstellung suchen würde.

Meiner Meinung nach könnte das Programm allen Schweizer Sportlern und Sportlerinnen dienen. Solchen, die nach einer flexiblen Arbeit suchen, damit sie nebenbei noch Zeit fürs Training haben, aber auch solchen, die ihre sportliche Karriere beendet haben.

Im Grossen und Ganzen finde ich das Programm super, die Vorteile überwiegen klar und ich denke, viel mehr Athleten könnten von diesem Programm profitieren, falls es mehr und besser vermarktet wird.»


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