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«Perfekt aus der Optik der Sportler»

Erstellt: 27.02.2012

Während in den vergangenen zwei Wochen die Biathleten und die Alpinen in den Bergen ihre vorolympischen Testwettkämpfe austrugen, war auch eine Delegation von Swiss Olympic in Sotschi und Rosa Chutor. Angeführt wurde die Gruppe von Sportdirektor Gian Gilli.

Mit Gian Gilli sprach Christian Andiel, Rosa Chutor. Er arbeitet für den Tages-Anzeiger.

Gian Gilli (Foto: Swiss Olympic)

Gian Gilli, was war der Grund für die Reise nach Sotschi und Rosa Chutor?

Es ist bereits das zweite Mal, dass eine Delegation von Swiss Olympic hier ist. Es ist wichtig, sich immer anzuschauen, wie sich die Situation entwickelt. Jetzt konnten wir uns konkret anschauen, wie die Sportanlagen hier in der Bergregion funktionieren.

Die alpinen Abfahrtsstrecken in Rosa Chutor werden von Fahrern und Fahrerinnen hoch gelobt.

Für uns ist weniger wichtig, was auf den Pisten und Loipen abläuft. Für uns geht es vor allem um die Abläufe drum herum: Transport, Sicherheit, Unterkunft, wir haben uns auch das Spital hier angeschaut.

Wie schätzen Sie die Situation bei den Unterkünften ein?

Es gibt 2014 drei Athletendörfer, zwei in den Bergen, eines an der Küste. Wir müssen nun schauen: Wie viele Unterkünfte brauchen wir ausserhalb dieser Dörfer und wo brauchen wir sie? Das geht einerseits vor allem um Personen, die keine Akkreditierung für Olympia haben: Wir dürfen an Winterspielen pro Athlet einen akkreditierten Betreuer mitnehmen. Für zusätzliche Spezialisten, an die sich die Athleten etwa im Verletzungsfall wenden können, brauchen wir Unterkünfte ausserhalb der offiziellen Zonen. Andererseits geht es um die Athleten selbst: Ich habe noch nie so schöne Häuser für Athleten gesehen wie hier für die Ausdauersportler. Aber sie sind komplett weg vom Schuss, also müssen sie die Möglichkeiten haben, einmal etwas anderes zu sehen.

«Bolshoy» Ice Dome (Foto: Swiss Olympic)

Die Organisatoren sind auf die Lage der Athletendörfer sehr stolz.

Ich habe noch nie ein Konzept gesehen, das aus der Optik der Sportler so gut ist. Nur die Bobfahrer und Skispringer müssen zu ihren Wettkampfstätten gebracht werden. Die anderen können im Prinzip im Athletendorf ihre Ski anlegen und zur Strecke gelangen, oder sie gehen zu Fuss.

Wie schwierig könnte es sein, angesichts der starken Sicherheitsvorkehrungen die Ruhe nicht zu verlieren?

Das wird gar nicht schwierig. Jeder, der zu olympischen Spielen geht, muss sich darauf einstellen. Und je dicker seine Teflonschicht ist, um so weniger Energie muss er damit vergeuden.

Die Bauarbeiten in Sotschi sind in vollem Gang (Foto: Swiss Olympic)

Sie sind für die nächsten Monate auch für die Machbarkeitstudie von olympischen Spielen 2022 in Davos und St. Moritz zuständig. Wenn Sie den Gigantismus rund um Sotschi 2014 sehen: Hat die Schweizer Kandidatur überhaupt eine halbwegs realistische Chance?

Man kann die beiden Vorhaben schon vom Konzept her gar nicht vergleichen. Der alpine Rahmen in Graubünden gibt eine natürliche Begrenzung vor. Russland hat eine andere Grösse, hier denken die Menschen ganz anders. In der Schweiz können wir nur etwas machen, was unserem begrenzten Rahmen entspricht. Wenn wir unsere Machbarkeit geklärt haben, liegt es am Bündner Volk und letztlich am IOK: Macht es Sinn? Wollen wir mit Olympia wieder in diese Begrenztheit zurück?

Wie zuversichtlich sind Sie?

Nehmen Sie die Ökonomie oder etwa Bauvorhaben in der Natur: Überall, wo es keine Grenzen gibt, kommt es zum Crash. Vielleicht haben wir da mit unserem Konzept der Begrenzung eine Chance. Wir bauen keine Ghettos für Athleten, sondern die Begegnung ist wichtig, das Wir ist entscheidender als das Ich. Das könnte einem Trend entsprechen.


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